ELECTRONIC CIRCUS 2012 IN GÜTERSLOH: Die erste A-U-T-O-B-A-H-N 4-KLANG Preview

Liebe Synthesizerfreunde,

in den Pausen zwischen den Konzerten am 22. September 2012 werde ich im Kesselhaus in Gütersloh vier kurze 4-Klang Performances spielen und dabei neueste Computermusikinstrumente verwenden. Aber: Zuerst gibt es jeweils die Musik und danach beantworte ich gerne Fragen zur Klangerzeugung. (Siehe auch bei Twitter!)

Mit dabei habe ich ein APPLE iPad (1. Generation), einen APPLE iPod Touch (3. Generation), ein APPLE iPhone 4 sowie mein Tone2 SAURUS Computer Software Instrument, das auf zwei kleinen Computern installiert ist (= einem ASUS eeePC Netbook und einem DELL Notebook), und den YAMAHA Tenori-On.


Der Sound wird über einen 4-Klang-MiniMxer auf einer kleinen BOSE Companion 2x2 PA wiedergegeben, die ich in meinem Reisekoffer mitbringe. Bei den 4-Klang Live-Performances verwende ich keinerlei Effektgeräte oder anderes soundveränderndes Equipment; d. h. alles klingt original so, wie es aus dem Kopfhörerausgang der einzelnen Geräte kommt.

In Kürze gibt es an dieser Stelle mehr Informationen zu den verwendeten Apps und Sounds, etwas später zu den vier Perfomances.

Übrigens: Die HIER zu hörenden (von mir erdachten und entwickelten) Soundsets des SAURUS Analog Synthesizers der Firma "Tone2" werde ich am 22. September 2012, genauso wie sie im Soundfile zu hören sind, live spielen.

Die Webseite des Electronic Circus findet man DORT.

Bis dann...

Rainer Sauer, Jena

"The SAUNDLAB Experience" - Fünf Alben in fünf Jahren! (Teil 1) von Rainer Sauer

Wie man vielleicht weiß, produzierte ich in den 1990er Jahren die fünf Alben der Elektromusikgruppe SAUNDLAB aus Frankfurt am Main für "F.B.B.R"/"Frankfurt Beats Back Records". SAUNDLAB war 1989 aus der zuvor lokal erfolgreichen Band OZ / ORGANISATION ZWEI hervorgegangen, die z. B. bei dem Frankfurter Synthesizertagen "White Waves 1988" im dortigen Südbahnhof aufgetreten war. Auch die beiden OZ-Alben "Automatique" (1987) und "Zero" (1988) hatte ich aufgenommen und produziert, zudem noch die in Frankfurt am Main erschienene OZ-EP "Edit" (1989) des "German Electro"-Labels.

In die Produktionszeit mit OZ sowie SAUNDLAB fiel auch meine Arbeit mit dem MAYDAY-Projekt der beiden Schwestern Sylka und Manuela May bei WESTSIDE Records, so dass die Aufnahmen für SAUNDLAB im Wesentlichen in drei Tonstudios stattfanden: 1990 und 1991 in meinem "Edge-Of-The-Hedge"-Studio in Frankfurt am Main und im "Dynaton"-Studio von Axel Henninger in Rodgau, 1992 bis 1994 dann durchgängig in der in Jena/Thüringen von mir neu errichteten "M.A.R.S.-Station".

Der musikalische Ansatz für SAUNDLAB kam von Ronald Rasor und Mike Drums, die zuvor bereits bei OZ / ORGANISATION ZWEI zusammengearbeitet hatten und sich für das neue Projekt einige weitere Musiker in ihr Klanglabor holten. Mit dabei waren u. a. Keayoarder Paul Henry Bowers (aus Heerenveen in Holland, Terry Moogler (aus Islington, einem Stadtteil von London) und Steve Dattel (aus Durban/Süd-Afrika) sowie meine Person, als jemand, der die Vocals und einige Instrumentaleffekte beisteuerte. Urspründlich sollten auch Sylka und Manuela May an SAUNDLAB mitarbeiten, jedoch zerschlug sich diese Idee schnell, da Manuela mit ihrem damaligen Freund, dem OKAY!-KeyboarderChristian Berg, zusammenarbeiten wollte und Manu aus dem Rhein-Main-Gebiet wegzog. So beschränkte sich deren Mitarbeit letztendlich auf einen einzigen Musiktitel: den "Wedding Song".

Die musikalischen Produktionen von SAUNDLAB begannen im Herbst 1989 direkt nach dem Zerbrechen der ORGANISATION ZWEI, wobei ich heute noch nicht enmal mehr weiß, weshalb dieses Bandprojekt wirklich in die Brüche ging. Jean Jacques Cornet, der Belgier, war wohl für Ronald und Mike ein stetiger Reibepunkt und mit der Arbeit des vierten OZ-Bandmitglieds Stefan Eisleben waren wohl beide nicht immer ganz zufrieden gewesen. Jedenfalls hatte ich die ORGANISATION fest für meine "White Waves 1989"-Veranstaltung gebucht und statt dessen eröffnete mir Ronald Anfang August 1989, dass OZ nicht mehr existiere und statt dessen "SOUNDLAB" auftreten würden, allerdings mit vielen Songs von OZ. Möglicherweise aus rechtlichen Beweggründen änderten Ronald und Mike später den Namen dann noch einmal. Zuerst in ZOUNDLAB und danach in den endgültigen Namen. Als repräsentative Sammlung aus der OZ-Zeit sei die Compilation "FM-Box" empfohlen mit allen Highlights von ORGANISATION ZWEI, angefangen bei den "Machines" über "Early Bird" und "Buran Buran" bis zu "The Race".

Direkt nach dem Auftritt bei den "White Waves" buchten Ronald und Mike mein Studio in Frankfurt-Fechenheim und brachten zu den ersten Aufnahmesessions gleich Henry, Terry und Steve mit (wobei ich hier noch einmal richtig stellen möchte und kann, dass, wie seinerzeit vielfach fälschlicher Weise berichtet worden war, Steve Dattel und Stefan Eisleben NICHT ein und dieselbe Person sind, sondern zwei ganz unterschiedliche Menschen).

Alle SAUNDLAB Alben hatten in der Produktion Codenamen, die sich Ronald den Himalaya-Gipfeln entliehen hatte. So hieß "On Presuming To Be Modern" im Arbeitstitel "Hidden Peak", "Saundtracks" hieß "K2", "Hyperion" war während der Produktionszeit "Nanga Parbat" benannt, das "Danceconcert" hieß "Lhotse" und "N.E.W.S:" hatte den Arbeitstitel "Everest". Sogar die Best-Of SAUNDLAB-Compilation "Labtop" hatte von Ronald einen Tarnnamen erhalten: "Makalu". Weshalb die späteren Titel der Alben geheim bleiben mussten, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie auch bei OZ arbeiteten Ronald und Mike mir dem von mir im Studio verwendeten STEINBERG Pro 16 Sequencersystem, wobei ich und Ronald lizensierte Original-Versionen hatten und Mike bei sich zuhause mit einer geknackten Version arbeitete; jedenfalls so viel ich weiß. Der Pro 16 Sequencer lief auf dem Commodore 64 recht stabeil, so dass ein Umstieg auf einen Atari ST-Computer nie ein wirkliches Thema war, was sicherlich auch an dem tollem MIDI-Mini-Interface von Kosta Kostis lag, das ich persönlich seinerzeit dem C-Lab-Interface stets vorgezogen habe.

Die Arbeiten an "Hidden Peak" gingen recht flott voran, wobei mir die Gesangsparts angeboten wurden (ich hatte ja einige Monate zuvor bereits dem OZ-Klassiker "Machines" meine Stimme geliehen), die zuerst sämtlich über Vocoder erfolgen sollten, dann aber bei "Mum'n'Dad" und "More" doch relativ ungefiltert Verwendung fanden. Die Hauptinstrumente bei "Hidden Peak" waren zwei Yamaha FB-01 FM-Expander, ein Yamaha DX-7, ein Roland D-50, ein Roland D-110 Sound-Expander, die KORG DDD-1 Drummachine, ein Simmons SDS-7 Drumset, eine Vox-Orgel, der AKAI Sampler S-700, der Dynacord Sampler ASD-K sowie der von Terry verwendete "Wind Midi Controler" WX von Yamaha, der gerade frisch auf den Markt gekommen war und mit dem er beim SAUNDLAB viele Solos einspielte. Als Vocoder diente ein Korg VC-10 und für die Phasing-Effekte benutzte ich den alten "Compact Phasing" von Ing. Schulte.

Man sucht ja im Soundbild des SAUNDLAB tatsächlich vergeblich analoge oder "warme" Synthesizersounds, aber das war damals tatsächlich so gewollt; KRAFTWERK hatten diesen Trend 1986 mit dem FM-lastigen "Electric Cafe" begonnen.

"Hidden Peak" aka "On Presuming To Be Modern" (der spätere Albumtitel wurde von Ronald bei Larry Fasts SYNERGY-Album "Cords" entlehnt) beginnt mit einer Verzerrung eines Drumsounds des Casio VL-1 im Titel "Casio-Tone". Danach spreche ich die erste Interlude, also ein szenisches Zwischenspiel, in Form eines kleinen Poems, das Ronald eines Abends erdichtet hatte.

Danach kommt mit "Mum'n'Dad" ein Titel, an dem wir knapp eine Woche gearbeitet haben. Er ist leicht gesellschaftskritisch, allerdings (auch gesanglich) nicht zu meiner vollen Zufriedenheit ausgefallen, da ich von dem Gedanken, dass SAUNDLAB eine Gesangsband werden oder sein sollte, nie wirklich überzeugt war. Ein weiterer Titel entstand während dieser ersten Woche im Studio: "Coco-Pop" - ähnlich problematisch aus einer Sicht und er hat es bis heute auch auf keines der SAUNDLAB-Alben geschafft. Interessant bei "Mum'n'Dad" ist, dass Terry mit dem Yamaha-Blaswandler die Piano-Solos spielte.

Terrys Yamaha-Blaswandler dominiert auch den Beginn des "Emotiional Song", der auf meine Interlude-Aufforderung "Just try this one" startet. Bis heute ist dies einer meiner Lieblingssongs von SAUNDLAB, auch wegen seiner Länge von mehr als zehn Minuten, die es zulässt, dass sich dieses Lied immer weiterentwickeln kann. So werden mehrere späteer SAUNDLAB-Themen angedeutet, wie etwa der "Dancefloor Tuna".

Dominant ist das Schlagzeugspiel von Mike Drums, der aus dem SDS-7 und dem DDD-1 das Beste herausholt und hier, inklusive der Tempowechsel, nahezu alles live eingespielt hat, synchron zum Steinberg MIDI-Sequencer, und das MIDI-Trompetenspiel Terrys, der sogar mexikanische Klänge mit einstreut. Aufgenommen wurde der "Emotional Song" in Axel Henningers "Dynaton"-Studio, was man dem Schlussteil des Songs ein wenig anhört.

[to be continued]

"HEAD-VISIONS" oder: "Der Weg ist das Vinyl!"

Er war steinig, er war hart, er war voller Mühsal: Der Weg Bernd Kistenmachers von der verrückten Idee hin zu 180 gr.-Vinyl. Sein Debutalbum von 1986 wollte der Berliner Musiker neu veröffentlichen ... nicht als CD oder zum Download sondern als knisternde, schwarze Scheibe. 

Doch war ihm klar, dass der Plattenkäufer von heute nicht der gleiche ist wie vor fünfundzwanzig Jahren. Während es damals gang und gäbe war, sich eine Schallplatte zuzulegen, wenn man Musik hören wollte (die Compact Cassette konnte sich nie wirklich durchsetzen, die CD stand gerade erst am Anfang ihres späteres Siegeszugen), sind es heute eher die Vinyl-Liebhaber und Sammler, die Wert auf echte Schallplatten legen.

Also konnte Kistenmacher nicht einfach seine Druckplatten von 1986 nehmen und mit ihnen eine Nachpressung durchführen (einmal abgesehen von dem, gegenüber dem 1986er Original, qualitativ schlechteren Ergebnis, das Nachpressungen eben mit sich bringen).

Kistenmachers Weg war ein anderer. Er nahm die alten Mehrspurbänder, besorgte sich eine alte Bandmaschine und mischte seine Platte im "State-Of-The-Sound" des Jahres 2012 neu ab. Er fand in MIRecords einen Partner, der ihm seinen Wunsch nach einer Neuveröffentlichung erfüllen konnte, in der DA den richtigen Vertrieb und mit PALLAS ein Vinyl-Presswerk, das mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung das Ergebnis der Neuveröffentlichung richtig gut werden ließ.

Hinzu kommt, dass es im 21. Jahrundert auch wesentlich bessere Schallplattenabtastgeräte gibt, als ein Vierteljahrundert zuvor. Ich mag zum Beispiel meine alten Platten am Liebsten auf meinem "Laser Turntable" der japanischen Firma ELP (s.i.c.) abspielen, jedenfalls, wenn ich sicher gehen will, dass sie nicht von Abtastnadeln unnötig zerkratzt werden. Es ist ein teures Gerät als Neukauf, aber gelegentlich werden auch Gebrauchtgeräte in gutem Zustand angeboten; meinen erwarb ich 2009 aus einem Nachlass.

Bei Vinyl-Scheiben, die ohnehin Kratzer haben, nehme ich natürlich noch den guten, alten Schallplattenspieler mit Saphirnadel. Aber die Tonqualität des ELP ist schon außergewöhnlich, denn er arbeitet um Grunde wie ein CD-Spieler, nur eben viel langsamer.

Seine Laserstrahlen schlendern sozusagen über die Rillen und meine ELP Lieblingsplatte derzeit ist "HEAD-VISIONS" von Bernd Ksitenmacher in der 2012er Vinyl-Reissue Edition.

Wer es mir nachmachen möchte, dem sei der MIRecords-Shop empfohlen, den man HIER findet.

"B-A-C-H Windows": Erinnerung an Jonathan "Douglas" Lord und sein musikalisches Vermächtnis


Ich mochte Jonathan "Douglas" Lord, nicht nur, weil er "Child In Time" so unverwechselbar machte. Nicht nur, weil er "Smoke On The Water" sah und zu Hard Rock werden ließ. Nicht nur, weil er als "Machine Head" eine Zeit lang den animalischen Ritchie Blackmore bändigte. Nicht nur, weil er als "internationale Größe" die Größe besaß, Mitte der 1970er Jahre mit einem Deutschen Komponisten - Eberhard Schoener - zu kooperieren. Nicht nur, weil er sich für seine Solo-Projekte einen Gitarristen namens Andy Summers an die Seite holte und ihn bei Eberhard Schoener mit Suart Copeland und Sting bekannt machte. Nicht nur, weil er Anni-Frid Lyngstad vom ABBA-Abseits zurück auf die Showbühne führte. Nicht nur, weil er mich lehrte, dass man mit den Akkorden "B-A-C-H" tatsächlich Musik machen kann. Nicht nur ... aber auch deshalb.

Heute ist er - schwer an Krebs erkrankt - aufgrund einer Lungenembolie gestorben. Auf seiner Webseite ist zu lesen: "Jon geht aus der Dunkelheit ins Licht." - Mach es gut Jon!

Jena, den 16. Juli 2012

"Im Grunde mache ich das in der Mittagspause": Rainer Sauer im Interview über Soundshaping mit dem SAURUS CSI (Teil 2)


Im Juni 2012 besuchte Jason White vom britischen "Electronicle Magazine" Rainer Sauer in Jena (Thüringen) in seinem A-U-T-O-B-A-H-N 4-KLANG Studio.

 
Rainer Sauer: Ich habe ja einige Zeit mit dem EMS VCS3 verbracht, das war übrigens genau der Synthesizer, der einmal Klaus Schulze gehört hatte und auf dem Cover der "Picture Music" zu sehen ist. 1980 hatte ich den einen Typen im Ruhrpot abgekauft und Klaus hat mir später anhand der Seriennummern von Putney und Cricklewood (Anm: das sind das Hauptgerät und das Keyboard) bestätigt, dass es sein Synthi war; Klaus "Dmon" Müller (Anm: Klaus Schulzes Lebenswerkverwalter) glaubt mir das natürlich nicht, aber ich denke, in der Branche kennt man ihn und wenn er jemandem wie z. B. mir schreibt "Wir wollen nichts mehr von Ihnen hören", weiß man nie, ob er im Majestätsplural spricht oder tatsächlich für sich und den Meister. Ein schwieriger Mensch, ohne den Klaus allerdings wohl nie dort hin gekommen wäre, wo er heute ist.


Jason White (Elecronicle Magazine): Hast Du ein Problem mit Klaus Schulze?

RS: Überhaupt nicht. Gerade senden wir bei ZONO Radio Jena ja monatlich einmal vier Stunden lang "Klaus Schulzes Elektronisches Leben" und im August zu seinem 65. Geburtstag sogar "Die lange Klaus Schulze Live Nacht". Klaus ist menschlich ein toller Typ, musikalisch einzigartig, ein Vorreiter für viele Entwicklungen. Er und ich sind vor Jahren sogar mal im Auto kreuz und quer durch Frankfurt am Main gefahren und er hat mir Orte gezeigt, die er liebte. Zum Beispiel die Pizzeria in Heddernheim, die immer ins Tonstudio Panne lieferte, wenn Klaus dort Musik aufgenommen hat. Und Klaus zu Ehren habe ich ja für den SAURUS die Sequenz "Some Crystal Bells" gemacht.

JW: Da habe ich gleich eine spezielle Frage dazu. Das ist ja eine geradezu magische Tonsequenz. Sie hat verschiedene Ablaufebenen, obwohl sie nur aus 16 Tönen besteht. Man denkt es wären viel mehr. Wie komponierst Du so etwas?

RS: Durch Ausprobieren. Natürlich kommt hinzu, dass ich an und mit solchen Sequenzen schon Jahrzehnte arbeite. Auf dem VELVET UNIVERSE Album "Voyager" von 1981 gibt es in "Music For Spacemen" eine ganz andere Sequenz, die aber in Ohr und Kopf ähnlich funktioniert. Man muss nur die im Hirn eingefahrenen Abläufe des Hörens überlisten, dann geht das. Da gab es schon viele leute, die gerfat haben, wie ich das mache. Das größte Kompliment für meine 16-Ton-Sequenzen habe ich übrigens mal von Chris Franke bekommen, der auf unserem "Enigmas" Album mitgewirkt hat und mir sagte, dass er diese Art des Aufbaus von Ton-Sequenzen genial findet. Und der ist ja mit TANGERINE DREAM durch seine Sequenzerläufe unsterblich geworden.

JW: Zurück zum "VCS 3000" Klang. Wie ist der entstanden, wie funktioniert er?

RS: Der EMS VCS3 hat eine Matrixebene mit Steckstiften um die einzelnen Komponenten miteinander in Korrelation zueinander zu stellen. Da kann man den einen Oszillator nehmen um den anderen Oszillator zu steuern bis eine Selbstoszillation oder eine, ich nenne es jetzt einmal, elektronische Konstruktion entsteht. Man kann beim VSC3 und beim EMS Synth A, ähnlich wie bei modularen Synthesizern, die Dinge zusammenbasteln und dann einfach mal sehen, was dabei klanglich  heraus kommt. Beim SAURUS habe ich gleich drei solcher Matrixebenen und brauche auch keine Steckstifte sondern kann hier frei die einzelnen Komponenten des Synthis - und der SARUS hat ungleich mehr als der VCS3 - miteinander kombinieren. Sogar Aftertouch mit dem LFO-Speed oder den Filterresonanzwerten. Es ist einfach unbeschreiblich. Beim ARTURIA Moog Modular System muss man erst virtuelle Strippen ziehen und hat dann doch nicht das, was man sich erhofft hat. Bei SAURUS ist vieles einfacher und Markus Feil hat da wirklich etwas ganz Großes erschaffen. Ich brauchte nur noch die einzelnen Komponenten miteinander zu kombinierne, wie ich das früher auch beim VCS3 tat und so entstand "VCS 3000". Und, ehrlich gesagt, weshalb sollte jemand 10.000 Euro für einen VCS3 ausgeben, der bei EBAY in den USA angeboten wird, wenn er gleiches und noch viel mehr für 100 Euro als CSI kaufen kann.

JW: Es gibt ja zudem wohl auch weltweit keine wirkliche EMS VCS3 oder Synthi A Emulation zu kaufen.

RS: Ich denke, ARTURIA will demnächst eine auf den Markt bringen. So 2013 oder 2014. Aber das ist ja ncht das Thema. Fakt ist: der SAURUS ist ein herausragendes CSI mit typischen EMS, MOOG, PROPHET, YAMAHA und PPG Sounds, dazu auch noch ein Offenes System mit einen großartigen Arpeggio-Sequencer.

JW: Wie wirst Du ihn bei Deinen Konzerten einsetzen?

RS: Im "4-Klang Modus" gibt es einen Programmteil, da habe ich ausschließlich zwei SAURUS auf zwei Labtops laufen und alle anderen Elektromusikgeräte schweigen. Das klingt dann so ähnlich wie bei dem Sounddemo und zeigt dem Publikum, wie gut, also soundtechnisch wie soundklanglich, der SAURUS klingen kann.

JW: Wäre es eine Überlegung wert, ein Konzert ausschließlich mit dem SAURUS zu spielen?

RS: Ich könnte das, aber ich habe ja schließlich auch das iPad mit auf der Bühne, den Tenori-On, den ARP Axxe, den JD 800, die Sampler, das MiKO, die ganzen Sachen von ARTURIA u.s.w.. Ich denke, es macht vielleicht Sinn, bei einer "Tone2"-Präsentaton ausschließlich den SAURUS vorzustellen. Aber dazu müsste mich Baastian erst einmal anfragen und das hat er bis heute noch nicht gemacht.

JW: Die "MiniMoon" Sounds - oder sollte ich besser sagen: MiniMoog Sounds? - klingen für mich auch wirklich toll, richtig warm und echt. Es gibt da Synthis auf dem Markt, die haben einige Schwierigkeiten, richtig gute MOOG Sounds zu machen. Einen Deiner Sounds für den SAURUS hast Du "Lucky Man" getauft. Ist vieles in dieser Soundrichtung von Dir durch Keith Emerson geprägt worden?

RS: ELP waren meine Helden in den 70gern, ohne Frage. Auf dem "Enigmas" Album gibt es einen Song namens "Silent Universe", da habe ich 1983 mit dem MiniMoog versucht so wie Keith Emerson zu klingen, aber das ist lange her. "Lucky Man" als Name im "Analog Soundset" ist nicht vor mir gekommen, das stammt wohl von der Marketing Abteilung. (Sauer lacht!)  Nein, von mir stammen die Bezeichungen "MiniMoon" für die Sounds. Man muss ja ein wenig kreativ sein, bei der Wortwahl und das haben wir mit den Bezeichnungen "Oberheimat" und "Vangelos" auch ganz gut hinbekommen. Bei den "MiniMoon"-Klängen haben wir uns, ich kann das ja hier einmal verraten, von den Sounds des "Animoog"-Programms von MOOG für das iPad leiten lassen. Was MOOG selbst dort für gut befunden hat, das beruht ja schließlich auf einer Art Marktforschung und die brauchen wir dann nicht auch noch mal zu betreiben. Und ich habe mich an meinem CREAMWARE Modular System (siehe Foto links) orientiert, also den Sounds, die man da herausbekommt, die klingen da ja schon sehr MOOG-ähnlich. Aber das Klangrezept ist richtig simpel: die "MiniMoon" Sounds plus "Lucky Man" haben immer zwei Oszillatoren, leicht verstimmt und ein wenig Filterresonanz. Dass sie so echt klingen, liegt dann wiederum an der Klanganalyse im "Oskar Sala Institut". Der SAURUS hat ja verschiedenste Filtertypen zur Verfügung und da muss man dann einfach nur noch den richtigen Filtertyp auswählen und es klappt. Und ich darf verraten; beim SAURUS ist es nicht immer das 24db-MOOG-Filter, das den Sound letztendlich ausmacht.

JW: Vielen Dank für das Interview.

"Die Rückkehr des Vinyls": Bernd Kistenmachers "Head Visions" erscheint in Kürze in exzellenter Tonqualität wieder als Schallplatte

Im Jahr 1986 veröffentlichte Bernd Kistenmacher sein erstes "echtes" Solo Werk Head-Visions. Und wie es damals noch üblich gewesen ist natürlich auf Vinyl. Die ursprünglichen Aufnahmen entstanden auf einer analogen Achtspurmaschine und die Original-Bänder verschwanden für die folgenden 26 Jahre im Archiv.

Nun - im Jahr 2012 - war es an der Zeit, sich zu erinnern. An die alten Aufnahmen selbst und an die Sinnlichkeit hochwertig hergestellter Schallplatten. So machte sich Bernd Kistenmacher in den vergangenen Monaten persönlich daran, die Aufnahmen in einem aufwändigen Verfahren zu restaurieren und ihnen mit modernster Studiotechnik neues Leben einzuhauchen. Das Ergebnis ist beeindruckend und man möchte sagen: es klingt besser als das Original! Das glaubt zumindest die Plattenfirma "MIRecords" ... "MIRecords"?

"Alles auf Anfang!" möchte man ausrufen. Mit "MIRecords" wurde nämlich ein längst tot geglaubtes Label wieder reaktiviert; 1999 wurden auf "Musique Intemporelle" die letzten Tonträger veröffentlicht. Nun ist das einstige Kult-Label wieder "online" und es sollen auf ihm ausschließlich Vinyl-Schallplatten (...ja genau, diese schwarzen, runden Dinger aus Kunststoff, die so gerne zerkratzen, wenn man sie falsch behandelt, und deshalb verhüllt von Papier in Taschen aus Karton stecken) veröffentlicht werden.

Dabei war Vinyl doch noch viel tot geglaubter als das "MI"-Label selbst, auf dem sie nun bald erscheinen werden. Doch der feste Glaube an die Sinnlichkeit von Dingen, die man gerne anfasst und deren Rillen Musik zum Erlebnis für die Sinne werden lassen, hat über die Macht des bedingungslosen elektronischen Fortschritts gesiegt, wie die Macher von "MIRecords" vor kurzem bekannt gaben.

Beginnen wird das Ganze nun mit der Veröffentlichung des o. g. Elektronik-Klassikers "Head-Visions", dem ersten Solo-Album von Bernd Kistenmacher: dieses Vinyl-Album wird die erste Veröffentlichung im neuen Webshop von "MIRecords" sein. Doch das "Head-Visions Reloaded"-Projekt war nicht ganz so einfach, wie man sich das vorstellte. Um die ein Viertel Jahrhundert alten Mehrspurbänder wieder abspielen zu können, musste die gleiche Bandmaschine besorgt werden, mit der die Aufnahmen damals gemacht worden sind.

Schon das war kein so leichtes Unterfangen. Aber viel schwieriger wurde die Tatsache, ein dermaßen altes Tonband wieder benutzen zu wollen. Jeder gute Band-Archivar weiß, dass solche Bänder regelmäßig umgespult werden müssen, damit die einzelnen Band-Schichten nicht zu dicht auf einanderliegen und es zu Problemen mit der Magnetschicht und ihrer Information darauf (sprich: der Musik) kommt. Doch Bernd Kistenmacher hatte Glück: Die alten Aufnahmen der "Head-Visions" waren nahezu unversehrt.

Und doch scheiterte der erste Versuch, die Aufnahmen von "Rücksturz" (der A-Seite des Albums) abzuhören. Der zweite und dritte ebenfalls. Insgeamt fünf Mal musste das Band komplett umgespult werden, um genügend "Luft" zwischen die einzelnen Schichten zu bekommen, damit es ohne Gleichlaufschwankungen abgespielt werden konnte. Dabei wäre das Band sogar beinahe unbrauchbar geworden. Aber nur beinahe, denn jetzt wird das neu gemasterte und in bestem Vinyl gepresste Album in Kürze erscheinen. Das Datum der Veröffentlichung ist der 01. Juli 2012 und bestellen kann man es HIER.

"Im Grunde mache ich das in der Mittagspause": Rainer Sauer im Interview über Soundshaping mit dem SAURUS CSI (Teil 1)


Im Juni 2012 besuchte Jason White vom britischen "Electronicle Magazine" Rainer Sauer in Jena (Thüringen) in seinem A-U-T-O-B-A-H-N 4-KLANG Studio.

Jason White (Elecronicle Magazine): Rainer, Du hast für die SAURUS Analog Synthesizer Software von "Tone 2" gerade eine Menge Sounds erstellt. Soundshaping hat bei Dir ja schon eine lange Tradition. Seit wann machst Du das?

Rainer Sauer: Für mich persönlich, seit dem ich mit 1974 im Alter von 16 Jahren meinen ersten ersten Synthesizer selbst gebaut habe, in professionellem Rahmen seit 1985. Da war das Ganze dann schon eine Ecke zielgerichteter und ich habe mit Kosta Kostis, dem Erfinder der "Digital Drums" und der "MIDI Mini Interfaces" für den Commodore 64, und anderen Bekannten eine kleine Firma namens "DMS / Digital Musical Sounds" ins Leben gerufen, die für den SFX Soundsampler von COMMODORE (Anm: ein Zusatzgerät für den Commodore 64/128) die Sounds kreiert hat. Da verkauften sich schon so einige Sets weltweit und wir waren auf Messen präsent. Leider hat COMMODORE am Ende vergessen und zu bezahlen und kurz danach waren sie pleite.

JW: Was war das für ein Synthesizer, den Du gebaut hast?

RS: Meinen ersten Synthi habe ich nach Schaltplänen von ARP und aus der Zeitschrift Funkschau gebaut und dazu einen Elektronik-Baukasten von KOSMOS zweckentfremdet. Das Ding produzierte recht abgefahrene Sounds, hatte aber noch keine Tatstatur und war so etwas wie ein freies System. Ich hatte auch noch ein Transitorradio und damals, als das UKW-Band noch nahezu unbeschränkt funktionierte, mit Polizeifunk und so, konnte man da zum Beispiel auch Digitaluhren Taschenrechner mit Röhrenanzeige und Elektronik-Blitzgeräte, im wahrsten Sinne des Worten, "hörbar" machen. So habe ich meine ersten elektronischen Kompositionen gemacht.

JW: Wie kamst Du an die Schaltpläne von ARP?

RS: Ich habe hingeschrieben, in die USA. Habe geschrieben, dass ich einen ARP 2600 habe udn da einiges verändern möchte und die Pläne für Filter und Oszillatoren bräuchte.

JW: Und man hat Dir tatsächlich geantwortet?

RS: Natürlich. das war eben die gute ate Zeit. Den Brief habe ich heute noch. Mit zum Teil handgemalten Zeichnugen und direkt aus dem ARP Hauptquartier.

JW: Hast Du damals alles alleine gebaut oder hat Dir jemand geholfen?

RS: Ich dachte bis vor kurzem, ich hätte das im Herbst 1974 erst einmal alles selbst gemacht hätte, bis ich einen alter Schulfreund traf ud der sagte mir "Weißt Du noch, wie Du mit Jürgen Glock den ersten Synthesizer zusammen gebaut hast?" und da erinnerte ich mich daran, dass es tatsächlich ein Kerl namens Jürgen Glock war, der gelötet hat, während ich mir ausgedacht hatte, wie es funktionieren könnte. Der "Jobs/Wozniak"-Effekt... (Sauer lacht)

JW: Wie hieß Dein erster Syntheiszer? Nicht zufällig SAURUS?

RS: Nein, ich hatte mal die Idee, sie "Saurian" zu nennen oder "Saurian Synthesizer"", aber im Grund hatten sie technische Bezeichnungen wie "CX-7" und so.

JW: "Sie"?

RS: Ja, ich denke es waren am Ende drei Synthesizer.

JW: Jetzt gibt es ja den SAURUS von "Tone 2", den Baastian van Noord und Markus Feil konstruiert haben...

RS: ...im Wesentlichen.

JW: Wie viel Rainer Sauer steckt in dem SAURUS?

RS: Weniger, als der Name vermuten lässt und mehr, als sich hier sagen lässt. Es ist ja im Grunde eine Reifeprozess, wenn man einen Synthesizer konstruiert. Heute ist das ungleich einfacher als noch vor 25 Jahren. Der SAURUS ist ein CSI, ein Computer Software Instrument, wie ich Baastian schon oft gesagt habe. Man vermarktet ihn unter den Titel "Analog Syntheiszer" was wiederum genauso richtig wie falsch ist. "Analog Sound Synthesizer" kommt schon eher hin, aber im Grunde ist dieser Synthesizer ein sog. "Offenes System", weil man über drei Matrix Ebenen alles programmieren kann, was man möchte. ich plädiere weiterhin für "CSI" und habe auf meinem SAURUS Keyboard auch diese drei Buchstaben stehen.

JW: Ganz konkret gefragt, wie kann man Einfluss auf Entwickler nehmen, ein CSI zu konstruieren?

RS: Da gibt es so viel Wege, das würde zu weit führen, hier alle aufzuzeigen. Aber derzeit sind wir daran, den SAURUS zu verändern. Einige Dinge sind noch nicht optimal gelöst und ich konnte Baastian mit einigen meiner Sounds aufzeigen, wie vielfältig die grundsätzlichen Möglichkeiten des SAURUS sind udn was an Bedienelementen noch fehlt. Ich hoffe, dass das nicht nur Verbesserungen sind, die mir zugute kommen, sondern möglichst bald auch allen anderen SAURUS Nutzern.

JW: Wenn man sich das neue Analoge Soundset für den SAURUS anhört, speziell Deine Sounds und Sequenzen, ist man schnell leicht sprachlos, was diese Software alles kann. Wie kommt das?
(Anmerkung: Durch Klicken auf das schwarz/weiße Studiofoto oben, kann man Rainer Sauers musikalische Zusammenstellung einiger seiner Sounds aus diversen Soundsets für den SAURUS hören!)

RS: Markus Feil ist als Diplom-Informatiker genau der richtige Mann gewesen um das technisch umzusetzen, was Baastian wollte. Ich dagegen bin von der anderen Seite an die Sache herangegangen. Ich habe so ziemlich alle guten Softwarelösungen für PC und iPad getestet und bin, was den PC angeht, bei ARTURIA hängen geblieben. Mit den Franzosen verbindet mich eine tiefe Freundschaft und ich habe heute alles in verwendung, was ARTURIA jemanls gemacht hat, inklusive der Hardware-Controller. Für "Kraftworker" (Anm: in nicht-anglo-amerikanischen Ländern heißt die Software "Synth-Werk") habe ich einiges an Sounds gemacht und bei dem SAURUS konnte ich dann endlich mal so richtig loslegen. Das fing an bei ganz profanen Dingen wie den "Richard Wrights Sheep" oder "Lucys Sky Piano" Sounds, ging über die "Vangelos Pads" und die "AUTOBAHN"-Sequenzen bis hin zu selbst-oszillierenden Klangkreationen, die sich viel chaotischer entwickeln können als es mein alter EMS VCS-3 jemals tun könnte. Dazu gibt es noch PPG- und Synclavier Sounds, die aber erst im nächsten Soundset mit dabei sind.

JW: Ja, der "VCS 3000" Sound ist wirklich atemberaubend...

RS: ...und das Beste ist: alles ist ja nur ein Angebot. jeden Sound kann man in jedem einzelnen Parameter verändern, selbst in der Gratisversion. Und wer die Vollversion des SAURUS hat, der kann "seinen" Sound sogar für immer und ewig abspeichern.

JW: Wie hast Du Deine Sounds gemacht? Nehmen wir mal die "Vangelos"-Bläser udn als absoluten Gegensatz den "VCS 2000"?

RS: Im Grunde kann man das, jeder von uns, sogar in der Mittagspause machen. Die Software ist meinetwegen auf dem Laptop oder Ultrabook und dann braucht man nur einen Kopfhörer udn los geht's. Der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Natürlich ist es schon von Vorteil, wenn man von früher die alten Handware-Sachen kennt und sich erinnern kann, wie sie funktionieren.

JW: Und wenn man mal einen Synthesizer selbst gebaut hat...

RS: Ach, das würde ich jetzt gar nicht mal sagen. Wichtig ist ein Verständnis für Klänge. Wenn ich weiß, wie sie entstehen, wie unterschiedliche Wellenformen den Klang beeinflussen, wie unterschiedliche Filtertypen, Brillianz hinzufügen oder andämpfen, dann kann ich gezielt loslegen.

JW: Man hat mir gesagt, dass Du für die Vangelos Sounds zuerst an einem YAMAHA CS-80 gearbeitet hast.

RS: Wir reden hier ja auch von "Vangelos" und da ist ein CS-80 schon Pflicht, denke ich.

JW: Wie kann man einen analogen YAMAHA Sound aus den 70ger Jahren in ein Computer Software Instrument verpfanzen. Durch Sampling?

RS: (lacht) Wenn das so einfach wäre, dann wäre ich vielleicht Millionär. ich habe ein OPEN LABS MiKO System mit MimiK-Software. Die macht so etwas automatisch. Aber "automatisch und statisch", wie ich immer sage. Da ist dann alles so wie es klingen soll, aber man kann nichts mehr daran verändern. Allerdings habe ich das große Glück, in Jena seit 1993 mit guten Leuten zusammen zu arbeiten. Zuerst in unserer M.A.R.S.-Station, dem damals "Most Authentic Research Studio", aus dem später unser privates "Institut für Klangforschung" hervor gegangen ist, das ich im letzten Jahr in Erinnerung an Oskar Sala in "Oskar Sala Institut für Klangforschung" umtaufen durfte. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten einen Klang zu erforschen, zu zerlegen und auf anderer Basis wieder herzsutellen.

JS: Wie hast Du das bzw. habt ihr das mit dem "VCS 3000"-Klang gemacht?

[FORTSETZUNG FOLGT]

Nachruf auf Kristian Schutze


Völlig unerwartet verstarb am 22. November 2011 Kristian Schultze im Alter von nur 66 Jahren in seinem Heimatort Bad Tölz an einem Herzinfarkt.

Der Komponist, Arrangeur, Keyboarder und Musikproduzent verkaufte mit dem New-Age-Projekt „Cusco“ weltweit Millionen CDs, schrieb viele Film- und Fernsehmusiken und produzierte Alben für Heidelinde Weis (Deutscher Schallplattenpreis) und Stephan Sulke. Von 1973 bis 1978 war er Keyboarder in Klaus Doldingers legendärer Jazzformation „Passport“ - und seit 2006 als „Classic Passport“ wieder auf Tour.

Die Musik und die Weltoffenheit, die sein Leben auszeichneten, wurden Kristian Schultze schon in die Wiege gelegt. Als Sohn des Komponisten Norbert Schultze ("Lili Marleen") und der Sängerin und Schauspielerin Iwa Wanja 1945 in Frankfurt/Oder geboren, wuchs er in Hamburg, Rio de Janeiro und Berlin auf. Nach seinem klassischen Klavier- und Kompositions-Studium gelang dem damals 23-Jährigen der Durchbruch mit der Filmmusik zum Kult-Streifen „Zur Sache, Schätzchen“ mit Uschi Glas. Früh startete Kristian Schultze zudem als Jazzpianist und spezialisierte sich schon in den 70ern auf elektronische Musik. Damit war er genau der richtige Keyboarder für Klaus Doldingers Experimente im Spannungsfeld von Jazz und Rock. Von 1973 bis 1977 tourte der bekennende Jazzer mit „Passport“ um die Welt.

Eine weitere Konstante in Schultzes Leben war das 1979 gemeinsam mit seinem Freund Michael Holm gegründete Instrumentalprojekt „Cusco“. In den über 20 Konzeptalben mit Themen zu fremden Ländern und Kulturen kombinieren die Musiker phantasievolle Melodien, eindrucksvolle Panflöten und fesselnde Synthesizer zu einem hypnotischen Klangteppich. Drei Grammy-Nominierungen brachte das New-Age-Projekt den Musikern ein und ist mit mehreren Millionen verkaufter Alben vor allem auch in Japan und in den USA höchst erfolgreich.

Kristian Schultze gehörte wie Curt Cress zu „Snowball“, spielte in Gruppen wie „The Bridge“ und „Space Orbit Company“, arbeitete in den 80er Jahren mit Georgio Moroder an Soundtracks zu „Metropolis“ und „Scarface“ und komponierte erfolgreich für Film und Fernsehen. Aus seiner Feder stammen diverse Titel für Udo Lindenberg, Heidelinde Weis, Claudia Barry und Ronni Jones sowie diverse Filmmusiken wie zum Beispiel „Zur Sache, Schätzchen“, „Annas Mutter“ und viele Fernsehmusiken für ZDF, RTL und die ARD. Bis zuletzt stand er mit Klaus Doldinger als „Classic Passport“ auf der Bühne.

Ich durfte ihn als Ehrengast meines Elektromusikfestivals "WHITE WAVES 1987 - Frankfurter Synthesizertage" kennenlernen um ihm den Hauptpreis der Jury für seine musikalische Arbeit bis dato überreichen. Mit Kristian Schultze verliert die Musikwelt einen vielseitigen Künstler, der sein Handwerk wirklich verstand und noch so viel vor hatte.

(Faktenquelle: GEMA)

"Alle Augen auf Petar Dundov": "Ideas from the Pond" schafft die perfekte Symbiose zwischen Berliner Schule und Trance-Musik

Ich habe erlebt, wie 1979 "In The Regions Of Sunreturn" als Export-Scheibe nach Deutschland geholt wurde, habe geholfen, das Album von Michael Garrison (*1956, † 2004) populär zu machen und erlebt, wie es schließlich von der ARIOLA offiziell in Deutschland veröffentlicht wurde. Das war mein erstes persönliches Erlebnis, wie ein einzelner Mensch ein klein wenig am Rad der Historie drehen kann. Weitere Erlebnisse, u. a. mit OKAY!, Camouflage, Mysterious Arts und Mayday folgten.

Jetz habe ich die Ehre und das Vergnügen einen Mann pushen zu dürfen, der seit fünf Jahren in seinem "Neumatik"-Studio im kroatischen Zagreb an seinen Elektromusik-Instrumentalwerken bastelt: Peter Dundov. Seit 2006 wächst im "Neumatik Studio" des elektronischen Künstlers Werkraum. Dort bringt Dundov das Beste aus den Welten von analogen und digitalen Technologien zusammen. Die Kombination von frühen Synthesizern den 1970er und 1980er Jahren mit modernsten Digital Audio Workstations führen bei ihm dazu, dass es kaum noch ein Limit gibt, für das, was elektromusiklaisch möglich ist, um mit Klängen zu arbeiten. "Lass deiner Fantasie freien Lauf, den Rest erledige ich", sagt Dundov.

Aufmerksam wurde ich auf ihn im Herbst 2009, als mir ein Bekannter sagte, ich würde ihn doch immer fragen, welche Musik mener eigenen am nächsten kommen würde. Als ich in hoffnungsvoll ansah, empfahl er mir, ich solle mir das ein Jahr zuvor fertiggestellte Debütalbum von Petar anhören, das den hoffnungsvollen Titel "Escapements" trägt. Ich besorgte mir es in England und war begeistert. Songs wie "Kanon", "Desert Island", "Sparkling Stars" oder die "Oasis" fanden sofort ihren Platz ganz tief in meinem Herzen und sind dort bis heute geblieben. Es ist kaum zu sagen, was den Reiz dieser Songs ausmacht, wahrscheinlich ist es die Mischung aus so vielem, was ich in der Elektromusik liebe.

Bei den "Sparkling Stars" zum Beispiel addieren sich hämmernde Soundfetzen der "Exit"/"Hyperborea"-Ära von TD mit Klängen, die ich von Ash Ra kennen und lieben gelernt habe.Und bei der entspannt-pulsierenden "Oasis" klickert und tickert der Sequencer, dass es nur so eine Freude ist. Während viele Technomusiker ihr Heil in noch mehr Dancefloor, in noch mehr digitalen Tälern suchen, geht Dundov genau in den andere Richtung. Das gesamte Album verströmt von der ersten Sekunde an ein wohlig analoges, handgemachtes Flair. Dabei darf man dem kroatischen DJ durchaus eine gewisse Retro-Attitüde unterstellen, zählt er doch Jean Michel Jarre zu seinen Klangvorbildern.

Techno wurde in den letzten Jahrzehnten zu einem Massenphänomen und die traditionelle Elektromusik wurde dadurch etwas ins Abseits gedrängt. Doch was ist Techno? Die allgemeine musikalische Definition besagt, dass es Elektro-Pop, Tanzmusik des dgitaen Zeitalters ist, hämmernde und pochende 4/4tel Beats. Aber Techno kann auch so etwas wie eine Seele haben. Denn der "Geist in der Maschine" möchte ja auch leben. Um Dundov zu zitieren: "Techno ist eine Musik der Bewegung vorausgeht. Es ist Tanzmusik, solide genug, um Emotionen auf die Tanzfläche zu übertragen und abstrakt genug, um eine Vorlage für Gedankenflüge zu sein." Dundov, vor einigen Jahren noch für seine zumeist schranzigen Stücke bekannt, lebt diese Traditionen nun bewusst aus und gibt seiner Produzentenkarriere damit eine ganz neue Richtung hin zur "alten" Elektromusik der 70er- und 80er Jahre.

Bei ihm habe ich das Gefühl, dass seine Dancetracks am Leben zu sein scheinen, keine pure Ablenkungsmusik sind, wie es sonst dem Techno anhaftet. Sie sind Fortführung, Erweiterung und Steigerung der aus den 70er und 80er Jahren bekannten Intensität. So auch auf seinem neune Album "Ideas from The Pond" (wobei er schon auf dem Cover das Mittelmeer als seinen "Teich" definiert). Ein einziger Song aus "Escapements" hatte gereicht damit seine Musik als eine Art Crossover in eine Vielzahl von unterschiedlichen Bereichen der globalen Technoszene transportiert wurde. Es war die "Oasis", die jedermann in den Clubs auflegte. Und wer könnte schon der Intention von Größen wie Sven Väth, Francois K., Laurent Garnier, Adam Beyer, Josh Wink, Guy J., Glimpse, Hernan Cattaneo, Brendan Moeller oder Danny Tenaglia widersprechen.

Nun ist also "Ideas From The Pond" erschienen und das Album zeigt, dass es eine Philosophie in seinen Produktionen gibt, die die Dynamik des Techno vereint mit alten analogen Drumcomputern und Synthesizern. "Mein großes Ziel als Produzent und Musiker ist es, die Welt der Inspiration umit der physischen Welt des Tanzens und der Bewegung zu vereinen, dass der Hörer nicht mehr in der Lage ist, zwischen beiden zu unterscheiden", sagte er dazu.

Geboren in Zagreb zu Anfang der 70er Jahre, verändert Dundov im 21. Jahrhundert die Technomusik, macht sie lebendig und interessant. Petar Dundov macht auf "Ideas From The Pond" intelligente Elektromusik, die Grenzen verschiebt und dabei gleichzeitig Füße und Köpfe in den Clubs bewegt. Er ist ohne Zweifel eines der beeindruckendsten, originellsten und gewagtesten Produzenten in der Elektromusik und Jean Michel Jarre, der ewig Suchende, würde seine Freude an ihm haben. Ich habe Jean Michel auf jeden Fall einmal Dundovs E-Mail-Adresse zugesteckt...man kann ja nie wissen.

1. Ideas From The Pond (09:22)
2. Silent Visitor (08:00)
3. Distant Shores (12:27) = zugleich die aktuelle Singleauskopplung
4. Brownian Interplay (12:51)
5. Together (10:39)
6. Around One (09:40)
7. Tetra Float (14:41)

Erschienen am 30. März 2012 bei Music Man/rough trade!

Tone2 SAURUS Analog Synthesizer Software: "Introducing the VST-Hardline"

 
Die Softwareschmiede TONE2 ist bereits als renommierter Hersteller von qualitativ hochwertiger High-End Audio-Software bekannt. Mit ihren Software-Synthesizern und -Effekten setzt die Firma aus Stephanskirchen um Bastian van Noord und Markus F. Feil seit einigen Jahren auf hohe Qualität und neue Maßstäbe bei der Einfachkeit der Bedienung. Im April 2012 hat ein neues natives Elektromusikinstrument von TONE2 das Licht der Musikwelt erblickt: der SAURUS Analog Synthesizer. Und im Test stellt sich schnell heraus, dass es selten so einfach war, intuitiv und trotzdem kompromisslos mit einer Synthesizer Software zu arbeiten.

Der SAURUS liefert dem Nutzer einen - so gut wie gar nicht als digital erzeugt erkennbaren - analogen Sound, so wie man ihn in vergangenen Jahrzehnten kennen und schäzten gelernt hat. Ohne Frage ist es weltweit das Ziel von Entwicklern, die bestmöglichen "virtuell-analogen" Synthesizer zu entwerfen. Dabei näherte man sich mit "virtuell-analogen" Synthesizern der erstrebten Klangrealität nicht immer mit dem richtigen Konzept an, denn es ist ja gar nicht so einfach, analoge Sounds authentisch zu erzeugen.

Bastian von Noord von TONE2 sagt, er wollte bem SAURUS keinen weiteren dieser (wie er sie nennt) "Synthesizer mit Charakter" kreieren, sondern wollte einen echten Vertreter des analogen Hardware-Sounds als Software auf den Merkt bringen. Seine Bedingung: weder die CPU der Computerhardware noch das Budget des Käufers sollten hierbei über Gebühr beansprucht werden.

Mit diesem Ziel vor Augen haben die Soundtüftler von TONE2 die Schaltkreise klassischer Performance-Synthesizer (bis hin zu einzelnen Kondensatoren und Widerständen) genauestens analysiert und modelliert, um ein äußerst präzises analoges Modell zu erreichen, das Geist und Charakter dieser alten Geräte klanggetreu einfängt. Herausgekommen sind High-End-Oszillatoren mit einer "True Analog Modelling Technology". Diese produzieren einen warmen charakteristischen Sound, der sofort Erinnerungen an Hardwaregeräte der Vergangenheit aufkommen lässt. Anders wie ihre Hardware-Gegenstücke bieten diese Oszillatoren viel mehr als nur einfache Klangerzeugung: Pulsweitenmodulation, die auf alle Wellenformen angewandt werden kann, ermöglicht eine unglaubliche Fülle an Sounds, wenn diese Modulation benutzt wird, um von einem Wellentyp zu einem anderen zu modulieren. Zusammen mit Oszillator Sync, Oszillator Drift und AM & FM-Rauschmodulation kann man auf eine noch breitere Klangpalette zugreifen, indem man beispielsweise mit Drift kleinere Schaltkreisschwankungen einführt oder das analoge Chaos mittels Sync- und Rauschmodulation vervollständigt.


Der SAURUS geht sogar noch einen Schritt weiter und enthält eine große Auswahl an Wellenformen, auch solche, die exotischen Synthesizern nachempfunden sind. Bisher kannte man vielerorts allein die drei klassischen Wellenformen (Sägezahn, Rechteck, Dreieck); hier kann man nach Herzenslust probieren, mit den Ohren analysieren, selbst entscheiden, ob einem der Wechsel einer Wellenform beim Soundschneidern entgegen kommt oder nicht.

Doch kein kompletter analoger Sound entsteht ohne Filterung der Wellenformen. Natürlich sind analoge Filter nicht perfekt: Sie leiden unter Verzerrung, Rauschen, Phasenverschiebung und Selbstoszillation. Doch gerade diese vollkommene Unvollkommenheit  macht ihren speziellen Charakter aus: Moog Filter klingen speziell, ARP Filter klingen speziell, EMS Filter klingen speziell...und jeweils anders. Aus diesem Grund hat man den SAURUS mit einer Filtersektion ausgestattet, die exakt diese einzelnen Filtermodelle nachbildet: Präzise modellierte Nicht-Linearität und Selbstoszillation verleihen ihnen die gleiche Eigenständigkeit, die schon den Grundklang auszeichnet.

Was mir am SAURUS (neben dem Namen - s.i.c.) spontan am besten gefiel, war die Kombination aus Arpeggiator & Gate. Der Arpeggiator ist enorm leistungsfähig;  ich habe alle Software-Synths von ARTURIA und deren Sequencer sind vielleicht nur halb so effektiv wie die des SAURUS Arpeggiator. Und ich kenne zudem eine Menge Arpeggiatoren verschiedenster Hardware-Synthesizer und nur wenige dieser sind so einfach zu programmieren und zu handeln wie der des SAURUS.

Man merkt: hier wurde enorm viel Entwicklungsarbeit geleistet, um einen Arpeggiator zu entwickeln, der nicht nur die "Basics" beherrscht, die einst der Roland Jupiter 8 einführte, sondern das prinzipielle Konzept um Features wie Akkorde, Double-, Triple-Note und Per-Step-Velocity erweitert. Somit kann eine Arpeggio-Sequenz beim SAURUS ebenso einfach wie kompliziert sein. Kombiniert mit Modulation eröffnet sich für Musiker dadurch eine wirklich neue Welt der Kreativität.


Fazit: Wenn man sich intensiv mit dem SAURUS beschäftigt und seine Freude damit hat, vergisst man ganz den Preis zu loben, denn die 99,-- Euro, zu denen die Vollversion zum Download angeboten wird, sind im Vergleich mit anderer Synthesizer-Software auf keinen Fall als Fehlinvestition zu betrachten. Manchmal zahlt man das Anderthalbfache und bekommt doch weniger Features, Spielspaß und Sound geliefert als hier.

SAURUS, das ist analoge Power, ergänzt um viele interessante Soundfeatures und -effekte, bei niedrigen Kosten, denn man benötigt keine teure Hardware, um das Plugin betreiben zu können, selbst bei voller Ausschöpfung der Einstellungsmöglichkeiten. Oder anders ausgedrückt; Nur sehr wenige Synthesizer mit analoger Ausrichtung können von sich behaupten, einen derartig stimmigen, breiten Sound bei derart geringer Systemauslastung zu erzeugen.


Rainer Sauer, Jena (im April 2012)