Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 14: "Elegant Machinery" - Mein "Blofeld"-Keyboard ...oder: der Bösewicht von Waldorf

 

Damit man weiß, worüber nun berichtet wird, vorab einige Händlerinformationen:

"Blofeld" - Ein Spross aus adligem Hause. Dem Hirn eines wahnsinnigen Wissenschaftlers entsprungen, handgedrechselt aus edlen Metallen, gefüttert mit feinsten Abbauprodukten der Waldorfer Wavetable-Minen und in einer Gewitternacht an einem geheimen Ort in Deutschland zum Leben erweckt wurde der "Blofeld", die kleine Synthesizermaschine mit dem großen bösen Sound.

Die Tonerzeugung in dem grundsoliden Metallgehäuse des "Blofeld" liefert den selben fetten und reichhaltigen Klangcharakter, den so viele Waldorf-User weltweit lieben, wenn sie ihren Q, Q+, Microwave, Microwave II/XT oder sogar das Flaggschiff, den Wave, spielen. Ja, Sie haben richtig gelesen! Der "Blofeld" kann nicht nur die warmen, organischen Sounds des Waldorf Q reproduzieren, er verfügt sogar über eine leistungsfähige Wavetable-Engine, genau wie seine Vorfahren der Palm Product Group mit dem "Wave" im Namen.

Dieses einzigartige Synthesesystem basiert auf den revolutionären PPG-Synthesizern der frühen 80er. Wenn Sie zum ersten Mal den "Blofeld" hören, werden Sie sich sofort an diese kantigen, durchsetzungsfähigen oder glockigen Timbres erinnern, die seit der PPG-Ära fester Bestandteil unzähliger Welthits sind. Ist es nicht faszinierend, dass diese komplexe Technologie heutzutage in ein solch schlankes und elegantes Gerät passt?


Solcherart gefüttert erwartet man beim Waldorf "Blofeld" einen vollen Teller mit Sounds und bekommt...einen reich gefüllten Tisch, mehr Ohrennahrung, als man vertragen kann. Und dies egal, ob man sich für die Desktop-Version in Weiß oder das Waldorf "Blofeld" Keyboard in Schwarz oder umgekehrt entscheidet.

Die Oszillatoren: Jeder der drei Oszillatoren verfügt über authentische Modelle elektronischer Schaltkreise analoger Oszillatoren. Dazu gehören die Pulse-Wellenform mit variabler Pulsbreite, Sägezahn, Dreieck und, obwohl nur in wenigen analogen Synthesizern vorhanden, die Sinuswellenform.Oszillator 1 und 2 bieten weiterhin die zwei Wavetables, die schon im Waldorf Q und Waldorf Micro Q ihren Dienst versehen hatten. Aber nicht nur das.

Der "Blofeld" hat alle ROM-Wavetables des Waldorf Wave und des Microwave II/XT an Bord, und, halten Sie sich fest, sogar die begehrte "Upper Wavetable" des guten alten PPG Wave. Und, zum ersten Mal in der Geschichte der aktuellen Firma Waldorf, der Vorgängerfirma Waldorf, der nach davor liegenden Firma von Wolfgang Düren und/oder Wolfgang Palms Firma PPG, darf jeder dieser zwei Oszillatoren seine eigene Wavetable haben.


Außerdem kann der Nutzer die Brillanz der Wavetable einstellen, was besonders wichtig ist bei Wellenformen mit vielen Obertönen, die im Bassbereich gespielt werden sollen. So ist es eine ureigene Entscheidung jedes Musikers, der mit dem "blofeld" arbeitet, ob er eine reine und perfekte Obertonstruktur haben möchte oder den kantigen Klangcharakter, den man von Waldorf- und PPG-Synthesizern kennen und lieben gelernt hat.

Bei den Sägezahn- und Pulse-Modellen steht einem diese Brillanzeinstellung ebenfalls zur Verfügung. Von warm und weich für typische Flächenklänge bis hart und scharf für drückende und knallige Bassklänge. Beachtens- und erwähnenswert ist hierbei, dass diese Brillanz nicht durch nachgeschaltete Filter erzeugt wird, sondern bestimmte Parameter direkt im Modell des Oszillators geändert werden, sozusagen in den "ewigen Schaltkreisen".


Jeder der drei Oszillatoren kann von einem beliebigen anderen Oszillator, dem Rauschgenerator oder einem der LFOs frequenzmoduliert werden. Mit niedriger Einstellung fügt man ein wenig "Schmutz" zum Klang der Oszillatoren hinzu, mit höheren Werten erhält man typische FM-Sounds wie Glocken oder Metallklänge.

Und natürlich kann Oszillator 2 zu Oszillator 3 synchronisiert werden. Als Gipfel der Programmiervielfalt kann Oszillator 2 zudem noch mit Osziallator 3 in einen "hard-syn"-Clinch gehen und es ist hierbei vorher nie so ganz klar, wer in diesem Kampf am Ende die Oberhand behalten wird.

Ringmodulation und Rauschgenerator: Oszillator 1 und 2 können beim "Blofeld" ringmoduliert werden, um im besten Fall Glocken oder Metallklänge zu erzeugen oder, im unerwartensten Moment, gänsehautverursachende Sound-Effekte oder pumpende Bässe und Solosounds.

Der "Blofeld" Rauschgenerator liefert weißes Rauschen, das mit einem eigenen Tief- oder Hochpassfilter über Noise Colour gefärbt werden kann. Die drei Oszillatoren, der Ringmodulator und der Rauschgenerator können frei in Filter 1 und Filter 2 gemischt werden. Das erlaubt eine sehr feine Kontrolle über den Frequenzgehalt eines jeden Tongenerators.


Sounds anwählen ...oder: der Waldorf "Blofeld" Sound Selector: Die Soundanwahl ist beim "Blofeld" ein wahres Vergnügen, ´jedenfalls verglichen mit früheren Modellen von PPG und/oder Waldorf. Wenn man einfach nur durch die verfügbaren mehr als 1.000 Sounds (= wie gesaht: ein reich gedeckter Tisch) streifen möchte, dreht man einfach an dem Endlosregler über dem Play-Taster. Will man schnell zu einer anderen Soundbank wechseln, dann geht dies mit der Hilfe des linken Reglers unter dem Display. Aber man kann auch mit dem rechten Regler unter dem Display eine Kategorie auswählenund es werden dann, bei der nächsten Soundanwahl, nur die Sounds angezeigt, die zu dieser Kategorie gehören.


Generelle Merkmale:
  • bis zu 25 Stimmen / 16-fach multitimbral
  • programmierbarer Multimode mit 128 Speicherplätzen
  • mehr als 1000 Sounds
  • stabiles Metallgehäuse / 7 Endlosregler aus Edelstahl / 5 Taster
  • Grafikanzeige 128 x 64 Pixel, s/w, weiße LED-Hintergrundbeleuchtung
  • Netzschalter / Lautstärkeregler /Stereoausgang / Kopfhörerausgang
  • MIDI-Eingang (beim "Blofeld" Keyboard auch: MIDI.Ausgang)
  • USB-Anschluss für MIDI In/Out / MIDI LED
  • arbeitet mit Standard USB MIDI-Treibern aktueller Betriebssysteme
  • Windows ME minimum, Windows XP, Vista oder neuer empfohlen
  • Mac OS X 10.2 minimum, Mac OS X 10.3 oder neuer empfohlen
  • Externes Steckernetzteil (beim "Blofeld" Keyboard internes Netzteil)
  •  
 

Spezielle Merkmale:
  • synchronisierbar zu MIDI-Clock
  • Up-, Down-, Alternate-Figuren
  • Umfang bis zu 10 Oktaven
  • leistungsfähiger Arpeggiator / Hold- und One Shot-Modi
  • frei programmierbarer Arpeggiator-Sequencer mit bis zu 16 Schritten
  • Programmierbar pro Sound jeweils:
    • Akzentuierung / Position / Länge / Glide an / Glide aus / Pause
    • Akkord / vorheige Note erneut / zufällige Note(Sample & Hold)
  • 1 Effect-Slot pro Part / 1 Effect-Slot global für alle Parts
  • Effekttypen:
    • Chorus / Flanger / Phaser / Overdrive
    • Triple FX (S&H, Ring Modulation, Chorus)
    • Delay verfügbar für Effekt 2 / Clocked Delay verfügbar für Effekt 2
    • Reverb verfügbar für Effekt 2
    •  

Klangerzeugung:

  • 3 Oszillatoren
  • Virtuell-analoge Modelle:
    • Pulse mit Pulsbreitenmodulation und regelbarer Brillanz
    • Sägezahn mit regelbarer Brillanz
    • Dreieck
    • Sinus
  • Wavetables:
    • Q Alt 1 und Alt 2 Wavetable mit regelbarer Brillanz
    • Alle Wavetables des Microwave II/XT/XTk mit regelbarer Brillanz
  • Samples (optional):
    • 60 MB nichtflüchtiger Sample-Speicher für Single- und Multisamples
  • Frequenzmodulation zwischen den Oszillatoren
  • Oszillatorsynchronisation
  • Ringmodulator für Oszillator 1 / 2
  • Rauschgenerator mit integriertem Filter
  • 2 unabhängige Multimode-Filter
  • Filter FM
  • Resonanz bis zur Selbstoszillation
    • Tiefpass 24 dB / 12 dB
    • Bandpass 24 dB / 12 dB
    • Hochpass 24 dB / 12 dB
    • Bandsperre 24 dB / 12 dB
    • Kammfilter mit positiver / negativer Rückkopplung
    • PPG Tiefpassfilter
  • 2 Verzerrerstufen pro Stimme mit regelbarer Verzerrung und wählbarer Verzerrerkurve:
    • Q-Verzerrerkurve
    • Harte Sättigung
    • Mittlere Sättigung
    • Weiche Sättigung
    • Sinus-Shaper
  • Modulationsmatrix mit 16 Einträgen, frei programmierbar
  • Modulationsgeschwindigkeit weit in den hörbaren Bereich
  • Modulationsquellen beinhalten alle internen Modulationsgeneratoren plus zahlreiche MIDI-Controller und -Spielhilfen
  • Modulationsziele für fast alle kontinuierlichen Klangparameter
  • mehrere vorverschaltete Modulationsziele mit wählbaren Quellen
    • Tonhöhenmodulation
    • Oszillator 1 / 2 / 3 Frequenzmodulation
    • Oszillator 1 / 2 / 3 Pulsbreitenmodulation
    • Filter 1 / 2 Cutoff-Modulation
    • Filter 1 / 2 Frequenzmodulation
    • Pan 1 / 2 Modulation
    • Lautstärkemodulation
  • 4 Modifier zur Erzeugung neuer Modulationsquellen mit unterschiedlichen Algorithmen
  • 3 schnelle LFOs
  • synchronisierbar zu MIDI-Clock
  • synchronisierbar zum Notenanfang mit wählbarer Phasenlage
  • monophoner LFO
  • Geschwindigkeit von Tonhöhe einstellbar
  • 4 schnelle Hüllkurven mit wählbaren Typen
  • polyphon / monophon pro Hüllkurve
    • ADSR
    • ADS1DS2R (2 Decay/Sustain-Phasen plus regelbarem Attack-Pegel)
    • One Shot
    • Loop S1S2 (Endlosschleife zwischen Sustain 1 und 2)
    • Loop All (Endlosschleife über alle Phasen)
  • Poly-, Mono-, Dual- oder Unisono-Modus mit einstellbarer Stimmenzahl
Ich spiele live das Waldorf "Blofeld" Keyboard und wollte dies hier nur erwähnt haben, falls sich jemand fragen sollte, weshalb ich dies mache.


Rainer Sauer, im Herbst 2011

Rainer Sauer A-U-T-O-B-A-H-N LIVE 4-KLANG im Theaterhaus Jena am 24.01.2012

Zum Vergrößern bitte anklicken! / Click to enlarge!

Fotos / Pictures © 2012-01-24 Theaterhaus Jena, elektromusik.org, Rainer Sauer A-U-T-O-B-A-H-N

Rainer Sauers A-U-T-O-B-A-H-N SYNTHESIZER LIVE Elektromusik Ausrüstung 2012

Das neue Livejahr beginnt für Rainer Sauer und sein A-U-T-O-B-A-H-N 4-KLANG-Projekt bereits am 24. Januar mit einem Auftritt im Theaterhaus Jena. Dies ist eine Auflistung der Musikinstrumente und Gerätschaften, die 2012 hierbei zum Einsatz kommen werden. Als da sind im Januar 2012 (zum Vergrößern, die Fotos bitte anklicken!)...

Hardware Synthesizer | Software Synthesizer

ARTURIA ARP 2600 Virtual-Software-Synthesizer| ARTURIA Yamaha CS-80 Virtual-Software-Synthesizer | ARTURIA Moog Modular Virtual-Software-Synthesizer | CLAVIA Nord 1 Rack Virtual-Analog-Synthesizer (2 Stück) | EMS VCS-3 Analogsynthesizer | KORG Wavestation | KORG Wavestaton EX | PEAVEY Spectrum Digitalsynthesizer-Expander | REDSOUND Datk Star XP2 Virtual-Analog-Synthesizer | ROLAND D-50 LA Synthesizer (seit 1987) | ROLAND MVS-1 Digitalsynthesizer-Expander | ROLAND JD-800 Programmable Synthesizer | SAURIAN CX-3 Custom Built Synthesizer | U.S. MiniTwister Analogsynthesizer | WALDORF Blofeld Digitalsynthesizer | YAMAHA AN1x Programmable Synthesizer | YAMAHA FB-01 Digitalsynthesizer-Expander | YAMAHA TENORI-ON W Digitalsynthesizer | YAMAHA TG-55 Synthesizer-Expander

Sampling Keyboards | Digitalsampler | Computersampler | Sampling-Expander

CASIO DM-100 SK | EMU Emulator IV "The Ambient Machine" Sampling-Expander (zwei Exemplare / seit 2003) | EMU Audigy 2000 Soundexpander (seit 2004) | EMU Proteus 2 Orchestral SoundExpander (seit 2003) | KORG 03W/R Sampling-Expander (seit 2011) | KURZWEIL 250 Computersampler (1985 bis 2011; früher im Besitz von Gershon Kingsley) | KURZWEIL 1000K Sampling-Keyboard (zwei Exemplare / 1. = 1998 bis 2011, 2. = seit 2011) | ROLAND SP-606 CX Sampling Workstation "The Heart Of Sampling" (seit 2005) | ROLAND MS-1 Sampler (seit 2009) | ROLAND S-10 Sampling-Keyboard (seit 2001) | ROLAND U-110 Sampling-Expander (seit 1990) | SYNCLAVIER Emulation III via FUJITSU Stylistic LT C-500 Computer | YAMAHA VSS-30 / YAMAHA VSS-100 / YAMAHA VSS-200 Sampling Keyboards (seit 1989 / 1991 bis 2011 / 1996 bis 2011) | YAMAHA P50 Pianosample-Expander (ausschließlich für YAMAHA CP-80 Sounds / seit 2011)

Keyboards (mit eigene bzw. ohne eigene Tonerzeugung)

CASIO Casiotone CT-201 DigitalKeyboard (seit 1981 ... ein japanischer Prototyp mit 110-Volt Netzteil) | ING. DOEPFER LMK 1 V2 Midi-Keyboards (seit 2005) | EMU MK-4903 MasterKeyboard (seit 2007) | 2 x EVOLUTION MK-461C USB MIDI Keyboard (seit 2010) | HOHNER String Melody (seit 1978) | M-AUDIO Oxygen 8 MidiKeyboard (seit 2005) | OBERHEIM MC-1000/76 MasterKeyboard "The Coordination Tank" (seit 1999) | PHILIPS Philicorda GM 750, GM 751, GM 752 Orgeln (seit 2004) | TECHNICS KN-750 Keyboard (seit 2007) | VERMONA ET3 ElektronikOrgel (seit 1992)

Digitales Schlagzeug | Rhythmusklänge | Computerdrums

DR. BÖHM CompuDrums (seit 1985) | EMS VCS-3 Noisegenerator + ARP AnalogSequencer (seit 1980) | KORG DDM-110 SuperDrums (seit 1985) | KORG DDD-1 Schlagzeugcomputer (seit 1987)| MFB/Manfred Fricke Berlin 201 Drumcomputer (seit 1980) | MFB/Manfred Fricke Berlin 501 Drumcomputer (seit 1980) | ROLAND TR-77 RythmComputer (1980 bis 2011) | ROLAND CR-78 CompuDrums (seit 1980) | RIYAZ "The Electronic Hindu" Digital TablaMachine + Sitar-Expander (seit 2008) | SIMMONS SDS-7 (seit 1987) angesteuert über einen ING. DOEPFER MSQ 16/3 Midi Analog Sequencer (seit 2009) | YAMAHA RX5 Drumcomputer (seit 1988)

Sequencer (analog oder digital) | Computersequencer

ARP AnalogSequencer 2 x 8 Noten (1978 bis 2003) | 2 x APPLE PowerBook G4/15'' mit STEINBERG Softwar: Cubase, Studiocase VST Instruments + Wavelab Software (seit 2005) | ACER Notebook mit ARTURIA Software: "ARP 2600", "MoogModular V.2", "YAMAHA CS-80", "The Factory Experience" und "The Analog Player" (seit 2006 / 2010 / 2011) | ING. DOEPFER MSQ 16/3 Midi Analog Sequencer (seit 2009) | KAWAI Q-80 MidiSequencer (seit 1999) | MFB 601 DigitalSequencer mit 8 Speichern á 64 Noten ohne MIDI (seit 1981) | MFB Step 64 Digital MidiSequencer (seit 2009) | NATIVE INSTRUMENTS Kore Controller + Kore 2 Host Software + Komplete 4 Collection = Sound Effekt Midi Sythesizer Studio Stage Controller (seit 2010) | PROPELLERHEAD Reason Enhanced Workstation (seit 2003) | ROLAND Studio M Synthesizerstudio MV-30 (bis 2010) | ROLAND MSQ-100 MicroComposer mit MIDI (seit 1988) | YAMAHA QY-70 DigitalSequencer Computer mit MIDI (seit 2010)

Gitarren | Gitarreneffekte | Gitarrenverstärker

FENDER Telecaster Elektrogitarre Brown Sunburst (bis 2011) | J&D/Jack & Danny Black Standard Elektrogitarre (seit 2005) | FENDER F-25 Westerngitarre (seit 1976) | CLARITY CV-5 Roundbackgitarre (2003 bis 2011) | CASIO DG-1 DigitalGuitar (seit 1995) | AKAI HeadRush E-1 LoopDelay (seit 2010) | KORG ToneWorks AX1G (seit 2005) | ZOOM 9000 Multieffektgerät (seit 2000) | TOM SCHOLZ "Rockman" Effektgerät (seit 1987) | BOSS FV 50L Volumenpedal | GUYATONE 380 Transistor Verstärker (seit 1976)

Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 13: Roland erfindet ein "Fantom"

Der Name ROLAND steht in der Musikwelt seit bald vierzig Jahren für innovative elektronische Musikinstrumente, von denen es eine Großzahl zu Kultstatus brachten. Die Online-Musikmagazine "Music Radar" und "Future Music" veröffentlichten 2010 ein Online-Verzeichnis sämtlicher ROLAND Synthesizer, dass man HIER finden oder sich als (riesengroße 80MB) PDF-Datei bzw. Wallpaper-Übersicht herunterladen kann.

Ich finde diese liebevoll erstellte Chronik in Bild und Wort - sozusagen eine ROLAND "All-Star-Galerie" von 1973 bis 2010 - als äußerst informativ und
aufschlussreich und in gewisser Weise als eine Reise in die Vergangenheit, bei der man manches Instrument, das man selbst spielen durfte, neu entdecken kann.

Nach bald fünfzig Neuentwicklungen im Synthesizerbereich seit der Premiere mit dem SH-1000 im Jahre 1973 setzte ROLAND mit seiner ersten großen Workstation vor zehn Jahren (und passend zur Jahrtausendwende) ein "Fantom" in die Welt, dem in den Folgejahren weitere Workstations gleichen Namens folgen sollten. Die erste hieß schlicht und einfach "Fantom" und hatte bereits das silbern schimmernde Aluminiumdesign, das später für alle weitere "Fantom"-Nachfolger typisch wurde (siehe oben ein Foto des "Fantom" FA 76 mit, genau, 76 Tasten Keyboard).

ROLAND verbesserte seine Workstation von Mal zu Mal und so behob man schnell und konsequent das hauptsächliche Manko der ersten "Fantom"-Generation, und zwar, das diese Geräte keine aktive Sampling-Möglichkeit anboten.

Bereits mit der 2003 veröffentlichten Nachfolgeserie "Fantom S" (richtig: "S" steht für Sampler / siehe auf dem Foto rechts den S6 mit 61 Tasten Keyboard) hatte man das Problem gelöst, wenngleich das Abspeichern und Nachladen von langen Samples sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Wenn man etwa einen ganzen Song von 10 Minuten Länge im "Fantom S" abspeichern bzw. von der Speicherkarte hochladen wollte, dann konnte das schon mal bis zu 50 Minuten dauern.

Neu waren bei der "S"-Serie die berührungsempfindlichen Soundpads, denen man jeweils eigene Sounds zuweisen konnte, vor allem aber das wesentlich vergößerte monochromatische grafische Display des "Fantom".

Etwa zur gleichen Zeit veröffentlichte ROLAND mit dem SP-606 einen Groove-Sampler auf Basis der "Fantom S"-Technik und mit den gleichen Soundpads ausgerüstet (siehe Foto links), der ähnlich lange Wartezeiten beim Speichern oder Nachladen generierte, obwohl er schon über CF-Karten als Speichermedium verfügte.

Bereits 2004 setzte ROLAND der "S"-Serie die "Fantom X"-Serie entgegen, nun mit Farbdisplay und wesentlich verbesserten Sampling- wie Speichermöglcihkeiten. Der interne Sequencer stellte eine erhebliche Verbesserung dar, konnte aber (auch weil er nicht Maus-gesteuert war) mit Software-Sequencern nicht mithalten. Im Rahmend er "X"-Serie, die mit 61 Tasten Keyboards (= "X6"), 76-Tasten Keyboards ("X7") und 81-Tasten Keyboards ("X8" / siehe Foto - zum Vergrößern bitte anklicken!) angeboten wurde, gab es zusätzlich noch aufgerüstete Modelle mit "Audio Track Expansion", die die Anzahl der Sequencerspuren verdoppelte, sowie eine (nicht nur beim Display) abgespeckte und deshalb preiswerte Version: den "Fantom Xa" (siehe Foto unten).

Erst vier Jahre später, also 2008, startete ROLAND seine, heute immer noch aktuelle "Fantom G" Workstation-Serie, die ebenfalls wieder mit 61 Tasten Keyboards (= "G6" / Mitte rechts), 76-Tasten Keyboards ("G7" / Mitte links) und 81-Tasten Keyboards ("G8" / siehe Foto ganz unten - zum Vergrößern bitte anklicken!) ausgerüstet wurden und über ein nochmals verbessertes Display und einen konfortablen Sequencer (nun mit Maussteuerung) mit bis zu einer Million Noten (!) verfügte.

Die "G"-Serie (UVP des "G8" von 2011 = 3745,00 Euro) stellte den neuen Maßstab für Workstations dar, waren es/sind es doch Instrumente sowohl für Live-Performances als auch Studio-Produktionen mit vielen neuen Live- und Performance-Features, auf die die "Fantom"-Vorgänger noch verzichten mussten. Das "Wave"-ROM wurde im Vergleich zum Vorgänger Fantom X (auf 256 MB) verdoppelt. Zusätzlich integriert in die interne Klangerzeugung wurde auch eine Auswahl von Sounds der bekannten ROLAND "SRX Expansion"-Boards.

Erweitern konnte/kann man die interne Sound Library der "G"-Serie durch bis zu zwei "ARX Expansion" Boards mit der, von ROLAND neu entwickelten "SuperNatural"-Technologie, wobei die "ARX"-Boards eigenständige Klangmodule mit einer eigenen graphischen Bedienoberfläche und unabhängiger Polyphonie sind.

Die Klangerzeugung des "Fantom G" besitzt u.a. die Betriebsarten "Studio Set" = 16 Multitimbral-Parts für die Anwendung mit dem internen Sequenzer (bis zu 128 Sets pro Projekt) und "Live Set" = 8 Multitimbral-Parts mit Layer- und Split-Einstellungen (bis zu 512 Sets pro Projekt). Bei der Erstellung des Soundbildes kann man nuun bis zu 22 Effekte gleichzeitig anwenden und die einzelnen Klänge auf mehrere Einzelausgänge verteilen.

Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 12: "KRAFTWERK zum Anfassen" - Die Kling Klang Maschine

Für manche KRAFTWERK-Fans überraschend, für andere längst erwartet (denn hin und wieder war schon mal die Rede gewesen von einem, von KRAFTWERK selbst entwickelten Computerprogramm mit den Original-Sounds, das sich zudem selbst steuern kann) kam am 11.3.11 ein neues, offizielles Konsumprodukt der Düsseldorfer Elektronikpioniere um Ralf Hütter auf den internationalen Markt. Kein Musikalbum sondern eine Musikmaschine: die "Kling Klang Machine No. 1".

Nutzen können sie Besitzer eines Apple iPones, iPads oder eines iPod Touch der neueren Generation, was beinhaltet, dass es die KKM im App-Store zu kaufen gibt und das zu einem zivilen Preis von 6,99 Euro. Wer aber glaubt, damit automatisch zum kreativen "Musikant mit Telefon in seiner Hand" zu werden, der dürfte von der "Kling Klang Maschine" ein wenig enttäuscht sein, denn ihre kreative Benutzung setzt schon ein wenig Interesse an Aufbau und Wirkungsweise der Klangerzeugung voraus, wie mir Fritz Hilpert (Foto links) verriet, der die KKM zusammen mit seinem KRAFTWERK-Chef Ralf Hütter und dem amerikanischen Audiokonzeptionalist Norman Fairbanks entwickelte (siehe Nachtrag zu diesem Artikel mit Fotos). Und Fairbanks Liebe zum Tenori-On von Yahama hat die Sequencer-Matrix der "KKM No. 1" wohl auch ihr Aussehen zu verdanken: 16 x 16 Kontrollfelder.

Ich habe die "Kling Klang Maschine Nr. 1" im Sommer erworben und erstmals im November 2011 live zusammen mit meinem iPod Touch 3 eingesetzt. In der Tat ist dies eine intelligente Musikapplikation, welche mehr oder weniger musikalische Klangbilder in Abhängigkeit von Uhrzeit und Weltzeitzone eigenständig zu jeder Sekunde aufs Neue generiert, wobei die Interaktion des Nutzers die stetige Beeinflussng des Klangergebnisses erlaubt. So können immer neue Variationen des jeweiligen Zeitzonenklanges erzeugt werden.

Zur Klangbeeinflussung stehen grundsätzlich einige Klangeffekte aus dem KRAFTWERK-Imperium zur Verfügung, wie Reverb und Echos, und ein Spezialeffekt, der jeweils von der gewählten Zeitzone abhängig ist. Außerdem können Tonhöhe, Geschwindigkeit und Lautstärke des Klangerlebnisses beeinflusst werden. Dies alles geschieht über eine Bedienungsmatrix oder (wahlweise) über eine KRAFTWERK-Computeranimation, bei der man über die Höhen/Längen-Achse eines Bedienungspunktes zumindest Tonhöhe und Geschwindigkeit des Klangablaufs beeinflussen kann.

Dies alles ist, wenn man sich nicht die Zeit und Muße nimmt, die "Kling Klang Machine" zu erkunden, ziemlich willkürlich und doch bietet einem die KKM einige durchaus kreative Möglichkeiten zur planmäßigen musikaischen Arbeit. So sogt eine weitere Matrix in der Art eines mehrspurigen 16-Step-Sequencers für viel Freunde. zwar kann man den Zufallsgenerator "auto"-matisch arbeiten lassen, doch lässt sich dieser auch abschalten und/oder in den "loop"-Modus bringen. Nun gilt es nur noch die Zeitzone auszuwählen, die einem eine planmäßige Progammierung anbietet.

Als Beispiel seien hier meine, "Schrittmacher"-Sound getaufte, rhytmische Klangkreation genannt (siehe Foto rechts), erstellt für die "6 Uhr"-Zone mit einem Klangbild, das man von KRAFTWERKS "Elektro Kardiogramm" her kennt, oder die 13 Uhr Zone, bei der Norman Fairbanks eine Hommage an Brian Eno gewählt hat. Mit ein wenig Arbeit bekommt man so viele beeindruckende Musikergebnisse zustande, die man durchaus im Livespiel verwenden kann. Wer es experimenteller mag, dem seien die "20 Uhr"-Zone empfohlen mit Telefon-Sounds oder die "Eventide"-Zone, nur eine Stunde später, die einem wunderbarste Extrem-Harmonizing Sounds zur Verfügung stellt.

Einziger Nachteil der Arbeit mit KRAFTWERKS "Kling Klang Machine": diese App verbraucht (im Vergleich mit anderen Apps) relativ viel Strom des jeweiligen Apple-Akkus und das sollte man beachten, bevor man auf Reisen mit der KKM spielt. Schon nach weniger als zwei Stunden kann dann nämlich Schluss sein mit einem der innovativsten Musikerlebnisse, die einem Apple Produkte bieten können.


NACHTRAG:

Norman Fairbanks wurde zu einer Zeit geboren, als Menschen begannen, große und schwere Synthesizer zu nutzen, um Klänge und Lärm zu erzeugen. Nach vielen Jahren, in der er sich ausschließlich für klassische Musik interessierte, begann Norman Fairbanks auch dafür zu interessieren, wie man (ähnlich den Methoden, die Pierre Schaffer Jahre zuvor bereits angewandt hatte) Klangbilder durch gezielte Kombinationen von Sprache, Ton und Störgeräusch-Elementen umgestalten kann. Seine Arbeit "One America Second" zeigt Fairbeanks Experiente in beeindruckender Weise.

Heute arbeitet Norman Fairbanks als Audio-Konzept-Künstler an dem Ziel, aus dem riesigen Panoptikum der modernen Medien Audio-Artefakte auszuwählen oder spezifische erzeugte elektro-akustische Geräuschelemente zu entwickeln. Entsprechende Ergebnisse seiner Arbeit wurden in das Soundspektrum der "Kling Klang Machine" integriert.

Fairbanks drückt das so aus: "Das Konzept der modernen Medien hat sich zu einem schicken, aber sehr intransparenten Arboretum entwickelt, das allein dem Ziel verpflichtet ist, unser Gehirn in jedem einzelnen Moment zu manipulieren. Aber es gibt auch immer noch die wahre Freude in einem Strom von vorgefertigten Informationen zu entdecken, wenn man es versteht, sich auf bestimmte Audio-Experimente einzulassen um schließlich neue Kunstformen zu finden."

Norman Fairbanks ist übrigens bekennender "Tenori-On"-Fan (siehe Foto rechts) und hat mit "7 Days Microsleep" das erste Album veröffentlicht, das komplett mit dem viereckigen YAMAHA Synthesizer eingespielt wurde.

Zu Besuch bei Rainer Sauer: Das Arbeitszimmer mit dem A-U-T-O-B-A-H-N 4-KLANG Studio im September 2011 (Teil 2 von 2 Teilen)

Von Peter Schupp (Text) und Tom Behrend (Fotos) © Elektromusik.org 2011

m zweiten Teil des Berichtes über Rainer Sauers A-U-T-O-B-A-H-N Arbeitszimmer dokumentieren wir den hinteren Bereich mit Sauers Schreibtisch, zwei Großrechnern mit den Aufnahmemedien und dem "Twin Tower # II". Auf den exklusiven Fotos sieht man auch weitere Synthesizer und Keyboards aus seiner Sammlung, darunter einen Roland JP-800, eine Doepfer LKM und ein EMU Longboard.

Wieder sieht man auf den Fotos, wie viele Geräte, Klangerzeuger und Elektromusikinstrumente in diesem Arbeitszimmer untergebracht sind. Teilweise stehen sie im Hintergrund griffbereit um schnell eingesetzt werden zu können, wie das Longboard oder das LMK. Teilweise sind sie aber auch nur dekorativ aufgebaut, wie etwa Sauers "LunchBox"-Synthesizer (= sein Nachbau eines MOOG Moduls aus dem Jahre 1976).

Oben auf dem "Tower # II" sieht man auch seinen KRP-1 Phaser von MODE MACHINES mit der Seriennummer 0008 - im großen Übersichtsbild oben kann man auch zwei weitere Details erkennen bzw. erahnen: die Brian Eno Biografie "A Year With Swollen Appendices" (= auf dem Kopf stehend) und eine seltene Sampling CD mit Original-Sounds von Klaus Schulze, von denen Sauer gleich mehrere besitzt. (= zum Vergrößern bitte auf das jeweilige Foto klicken; dann rechter Mausklick und "Grafik anzeigen" wählen!)

Es fällt auf, wie viele ZOOM Studios 1201 Sound-Module Sauer hat; alleine im "Twin Tower # II" sind vier Stück verbaut. Auf dem Schreibtisch sieht man zwei Factory-Keyboards von ARTURIA, eines, das die MOOG Modular Software steuert und eines für die ARP 2600 Software bzw. die CS-80V Software.

Ein Extra-Soundmischpult hat Rainer Sauer in seinem Arbeitszimmer nicht, das heißt: alle Geräte (bzw. die Sub-Mixer-Ausgänge) und die Software-Synthis gehen direkt über ein Creamware-Interface in die Rechner. Neben zwei REVOX A77 Maschinen (= eine Halbspur Mastermaschine mit 38 cm/Sek. und eine Viertelspur Machine mit 19 cm/Sek. zum Abspielen alter Masteraufnahmen oder Livemitschnitte) gibt es im Arbeitszimmer noch einen SONY MiniDisc 4-Spur-Recorder und seinen "historischen" YAMAHANA MT-44 4-Spur-Recorder zum Abspielen / Einspielen alter Mehrspuraufnahme-Cassetten und -MiniDiscs.

Wir möchten Rainer Sauer an dieser Stelle nochmals für seine Großzügigkeit und sein Entgegenkommen danken, uns das alles ansehen zu dürfen und die Fotos machen zu können. Den ersten Teil unseres Berichtes findet man HIER.

Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 11: "We Are Producers" - Analoge und digitale YAMAHA und SONY Multitracker

ANALOGES EQUIPMENT der 1980er Jahre: Für die "Sounds vom Synthesizer" machte ich 1985 eine Mini-Radioserie unter dem Titel "We Are Producers". Da hatte ich schon meine Erfahrungen mit Enberhard Panne im Tonstudio Panne & Paulsen gemacht, als eigener Produzent (u. a. mit der Gruppe "Rentryd") und natürlich mit meinen eigene Projekten, die ich immer selbst produzier hatte. Hinzu kam das, was mit Musiker über das Produzieren erzählt hatten.

Im eigenen "Edge-Of-The-Hedge" Studio in Frankfurt-Fechenheim gab es bereits eine Revox A 77 2-Spur Mastermaschine mit 38cm/Sek., einen TEAK 4-Spur Recorder und diverse Bandmaschinen und Tapedecks. Zu diesen Geräten kam im Sommer 1983 das neue YAMAHA Personal Studio Multitracker System (die exakte Gerätebezeichnung lautete: YAMAHA Personal Studio System: MT44 Multi Track Cassette Recorder + MM30 Portable Mixer + RB30 Rack + PB44 Patchbay). Das Ganze strahlte einen grau/silber an und wurde für einige Jahre mein ganz persönliches Homestudio in meiner Wohnung über dem Studio, wenn ich nicht in das EOTH gehen konnte oder wollte.

Das YAMAHA System spielte auch eine große Rolle in meiner "producers"-Radioserie, denn die Aufnahmequalität war für ein so bescheidenes Multitrack-Instrumentarium bei nur 4,75cm/Sek. (inkl. Pitchveränderung um +/- 10%) erstaunlich gut.

Technisch gesehen bestand dieses Sytem aus einem 4-Spur CompactCassetten Aufnahmegerät mit Bandzählwerk, variabler Geschwindigkeit und Dolby B oder Dolby C (= Rauschunterdrückung: 63 bzw. 67 dB), einem 4-Kanal Mischpult mit eingebautem Federhallgerät und 7-Band-Equalizer (grafisch)
und das alles eingefasst in einer schicken Rack-Unit, bestehend aus der RB30 Pulthülle, einer Patchbay für Mono-Klinkenkabel und Chinch-Kabel (PB44) sowie der Aufbewahrungsbox für diverse CompactCassetten.

Mit seinen Maßen (Breite = 52,5 cm / Höhe = 19,5 cm / Tiefe = 52 cm) war das ganze Rack wirklich kompakt und auf Reisen konnte man das MM30 Mischpult sogar auf den MT44 stellen und so die wichtigsten Aufnahmefunktionen direkt steuern.

Alle vier Kanäle konnten gleichzeitg aufzeichnen und waren als LED-Display am Mt44 ausgeführt. Ein Reset-Schalter stoppte auf der "000" im Bandwählwerk und die Steuerung des MT44 erfolgte entweder durch die Kontakttasten an der Vorderseite, die den Motor starteten und den Tonkopf gleichzeitig servomechanisch nach oben schoben ("Feather Touch, Full Logic Control"), oder mit der optionalen Fernbedienung RC10.

Digitales Equipment der 1980er Jahre: Für die Produktion des Gavand Art Albums "Run" von November 1986 bis März 1987 setzte ich erstmals einen Sony DAV EV-S700 Video8 Recorder mit Multi PCM Aufzeichnungsmöglichkeit ein, den mir Kosta Kostis geliehen hatte (im unteren Foto oben und im Detail in der Mitte). Mit ihm zeichnete ich auch sämtliche Direktabnahmen des Saalmischpults der "White Waves 86" auf, so wie sie aus dem Gieger Akustik Mixer auf die Boxen geschaltet wurden. Die Saalakustik der "WW'86" wurde allerdings konventionell mitgeschnitten und später über die Mixer-Aufnahmen gemischt.

Sony hatte Mitte der 1980er Jahre verschiedene DAV Video8 Recorder (DAV = Digital Audio & Video) auf den Markt gebracht, die entweder als Bildaufzeichnungsgeräte verwendet werden konnte oder in der Lage waren im, von Sony "Multi Audio PCM" bezeichneten 6-Spur HiFi-Stereo Tonaufzeichnungsverfahren, auf einer winzigen Video8 Cassette bis zu 24 Stunden in bester HiFi Stereo Qualität aufzuzeichnen.

Mit der Entwicklung des polarisierten Stereo Tons auf parallelen Spuren einer normalen Video8 Cassette, konnte man den aus dem Profibereich stammenden PCM Ton nun auch auf wesentlich preiswerteren Geräten anbieten. Das Verfahren war aber wohl zu gut für den damals expandierenden Markt der Tonaufzeichnungsgeräte, denn Sony ersetzte das 6-Spur-Multi Audio PCM System schnell durch ein 1-spuriges PCM System, wodurch man als Nebeneffekt plötzlich sechs mal so viele Video8 Cassetten für den gleichen Zweck verkaufen konnte. Gar nicht kundenfreundlich änderte Sony zugleich den Standard für das Index-System zum Markieren und Auffinden der maximal 99 auf das Video8 Tape geschriebenen Markierungspunkte, wodurch in der Folge die Kompatibilität zwischen dem alten System der ersten Serie und den Nachfolgegeräten nicht mehr gegeben war.

Zum besseren Verständnis sollte man erwähnen, dass Sony als Erfinder des PCM Verfahrens für Tonstudios (Eberhard Panne hatte eines der ersten digitalen PulseCodeModulationsgeräte und war damit hochzufrieden, wenngleich er immer die Fehler beim digitalen Schnitt bemängelte) mit Recordern wie dem EV-S700 oder dem EV-S650 (den ich mir 1989 anschaffte und der damals knapp 4.000 DM kostete / im Foto unten und rechts im Detail) sich hier Konkurrenz im eigenen Hause gemacht hatte und der Absatz der teuren Profi-PCM-Geräte merklich zurück ging. Denn wie schon erwähnt war das Klangergebnis der Geräte der ersten Serie durchaus marktreif; dies vor allem angesichts des 1986/87 im Homevideorecorderbereichs üblichen Mono-Tons.

Meinen Sony EV-S650 habe ich heute noch, auch die Cassetten meiner damaligen Produktionen sowie der "White Waves '86". Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass die beinahe fünfundzwanzg Jahre alten DAV Recorder, wenn sie lange Zeit nicht gewartet wurden oder ungenutzt blieben, wohl heute, aufgrund mechanischer Probleme mit dem Cassettenschubfach oder der Bandzuführung zum Videokopf, kaum noch einwandfrei funtionieren dürften.

Zum Glück gibt es aber verschiedene Firmen, die sich auf die Reparatur oder Wiederherstellung der Funktionen von DAV Recordern spezialisiert haben; für Deutschland sei hier Frank Hirsinger besonders erwähnt.