Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 14: "Elegant Machinery" - Mein "Blofeld"-Keyboard ...oder: der Bösewicht von Waldorf

 

Damit man weiß, worüber nun berichtet wird, vorab einige Händlerinformationen:

"Blofeld" - Ein Spross aus adligem Hause. Dem Hirn eines wahnsinnigen Wissenschaftlers entsprungen, handgedrechselt aus edlen Metallen, gefüttert mit feinsten Abbauprodukten der Waldorfer Wavetable-Minen und in einer Gewitternacht an einem geheimen Ort in Deutschland zum Leben erweckt wurde der "Blofeld", die kleine Synthesizermaschine mit dem großen bösen Sound.

Die Tonerzeugung in dem grundsoliden Metallgehäuse des "Blofeld" liefert den selben fetten und reichhaltigen Klangcharakter, den so viele Waldorf-User weltweit lieben, wenn sie ihren Q, Q+, Microwave, Microwave II/XT oder sogar das Flaggschiff, den Wave, spielen. Ja, Sie haben richtig gelesen! Der "Blofeld" kann nicht nur die warmen, organischen Sounds des Waldorf Q reproduzieren, er verfügt sogar über eine leistungsfähige Wavetable-Engine, genau wie seine Vorfahren der Palm Product Group mit dem "Wave" im Namen.

Dieses einzigartige Synthesesystem basiert auf den revolutionären PPG-Synthesizern der frühen 80er. Wenn Sie zum ersten Mal den "Blofeld" hören, werden Sie sich sofort an diese kantigen, durchsetzungsfähigen oder glockigen Timbres erinnern, die seit der PPG-Ära fester Bestandteil unzähliger Welthits sind. Ist es nicht faszinierend, dass diese komplexe Technologie heutzutage in ein solch schlankes und elegantes Gerät passt?


Solcherart gefüttert erwartet man beim Waldorf "Blofeld" einen vollen Teller mit Sounds und bekommt...einen reich gefüllten Tisch, mehr Ohrennahrung, als man vertragen kann. Und dies egal, ob man sich für die Desktop-Version in Weiß oder das Waldorf "Blofeld" Keyboard in Schwarz oder umgekehrt entscheidet.

Die Oszillatoren: Jeder der drei Oszillatoren verfügt über authentische Modelle elektronischer Schaltkreise analoger Oszillatoren. Dazu gehören die Pulse-Wellenform mit variabler Pulsbreite, Sägezahn, Dreieck und, obwohl nur in wenigen analogen Synthesizern vorhanden, die Sinuswellenform.Oszillator 1 und 2 bieten weiterhin die zwei Wavetables, die schon im Waldorf Q und Waldorf Micro Q ihren Dienst versehen hatten. Aber nicht nur das.

Der "Blofeld" hat alle ROM-Wavetables des Waldorf Wave und des Microwave II/XT an Bord, und, halten Sie sich fest, sogar die begehrte "Upper Wavetable" des guten alten PPG Wave. Und, zum ersten Mal in der Geschichte der aktuellen Firma Waldorf, der Vorgängerfirma Waldorf, der nach davor liegenden Firma von Wolfgang Düren und/oder Wolfgang Palms Firma PPG, darf jeder dieser zwei Oszillatoren seine eigene Wavetable haben.


Außerdem kann der Nutzer die Brillanz der Wavetable einstellen, was besonders wichtig ist bei Wellenformen mit vielen Obertönen, die im Bassbereich gespielt werden sollen. So ist es eine ureigene Entscheidung jedes Musikers, der mit dem "blofeld" arbeitet, ob er eine reine und perfekte Obertonstruktur haben möchte oder den kantigen Klangcharakter, den man von Waldorf- und PPG-Synthesizern kennen und lieben gelernt hat.

Bei den Sägezahn- und Pulse-Modellen steht einem diese Brillanzeinstellung ebenfalls zur Verfügung. Von warm und weich für typische Flächenklänge bis hart und scharf für drückende und knallige Bassklänge. Beachtens- und erwähnenswert ist hierbei, dass diese Brillanz nicht durch nachgeschaltete Filter erzeugt wird, sondern bestimmte Parameter direkt im Modell des Oszillators geändert werden, sozusagen in den "ewigen Schaltkreisen".


Jeder der drei Oszillatoren kann von einem beliebigen anderen Oszillator, dem Rauschgenerator oder einem der LFOs frequenzmoduliert werden. Mit niedriger Einstellung fügt man ein wenig "Schmutz" zum Klang der Oszillatoren hinzu, mit höheren Werten erhält man typische FM-Sounds wie Glocken oder Metallklänge.

Und natürlich kann Oszillator 2 zu Oszillator 3 synchronisiert werden. Als Gipfel der Programmiervielfalt kann Oszillator 2 zudem noch mit Osziallator 3 in einen "hard-syn"-Clinch gehen und es ist hierbei vorher nie so ganz klar, wer in diesem Kampf am Ende die Oberhand behalten wird.

Ringmodulation und Rauschgenerator: Oszillator 1 und 2 können beim "Blofeld" ringmoduliert werden, um im besten Fall Glocken oder Metallklänge zu erzeugen oder, im unerwartensten Moment, gänsehautverursachende Sound-Effekte oder pumpende Bässe und Solosounds.

Der "Blofeld" Rauschgenerator liefert weißes Rauschen, das mit einem eigenen Tief- oder Hochpassfilter über Noise Colour gefärbt werden kann. Die drei Oszillatoren, der Ringmodulator und der Rauschgenerator können frei in Filter 1 und Filter 2 gemischt werden. Das erlaubt eine sehr feine Kontrolle über den Frequenzgehalt eines jeden Tongenerators.


Sounds anwählen ...oder: der Waldorf "Blofeld" Sound Selector: Die Soundanwahl ist beim "Blofeld" ein wahres Vergnügen, ´jedenfalls verglichen mit früheren Modellen von PPG und/oder Waldorf. Wenn man einfach nur durch die verfügbaren mehr als 1.000 Sounds (= wie gesaht: ein reich gedeckter Tisch) streifen möchte, dreht man einfach an dem Endlosregler über dem Play-Taster. Will man schnell zu einer anderen Soundbank wechseln, dann geht dies mit der Hilfe des linken Reglers unter dem Display. Aber man kann auch mit dem rechten Regler unter dem Display eine Kategorie auswählenund es werden dann, bei der nächsten Soundanwahl, nur die Sounds angezeigt, die zu dieser Kategorie gehören.


Generelle Merkmale:
  • bis zu 25 Stimmen / 16-fach multitimbral
  • programmierbarer Multimode mit 128 Speicherplätzen
  • mehr als 1000 Sounds
  • stabiles Metallgehäuse / 7 Endlosregler aus Edelstahl / 5 Taster
  • Grafikanzeige 128 x 64 Pixel, s/w, weiße LED-Hintergrundbeleuchtung
  • Netzschalter / Lautstärkeregler /Stereoausgang / Kopfhörerausgang
  • MIDI-Eingang (beim "Blofeld" Keyboard auch: MIDI.Ausgang)
  • USB-Anschluss für MIDI In/Out / MIDI LED
  • arbeitet mit Standard USB MIDI-Treibern aktueller Betriebssysteme
  • Windows ME minimum, Windows XP, Vista oder neuer empfohlen
  • Mac OS X 10.2 minimum, Mac OS X 10.3 oder neuer empfohlen
  • Externes Steckernetzteil (beim "Blofeld" Keyboard internes Netzteil)
  •  
 

Spezielle Merkmale:
  • synchronisierbar zu MIDI-Clock
  • Up-, Down-, Alternate-Figuren
  • Umfang bis zu 10 Oktaven
  • leistungsfähiger Arpeggiator / Hold- und One Shot-Modi
  • frei programmierbarer Arpeggiator-Sequencer mit bis zu 16 Schritten
  • Programmierbar pro Sound jeweils:
    • Akzentuierung / Position / Länge / Glide an / Glide aus / Pause
    • Akkord / vorheige Note erneut / zufällige Note(Sample & Hold)
  • 1 Effect-Slot pro Part / 1 Effect-Slot global für alle Parts
  • Effekttypen:
    • Chorus / Flanger / Phaser / Overdrive
    • Triple FX (S&H, Ring Modulation, Chorus)
    • Delay verfügbar für Effekt 2 / Clocked Delay verfügbar für Effekt 2
    • Reverb verfügbar für Effekt 2
    •  

Klangerzeugung:

  • 3 Oszillatoren
  • Virtuell-analoge Modelle:
    • Pulse mit Pulsbreitenmodulation und regelbarer Brillanz
    • Sägezahn mit regelbarer Brillanz
    • Dreieck
    • Sinus
  • Wavetables:
    • Q Alt 1 und Alt 2 Wavetable mit regelbarer Brillanz
    • Alle Wavetables des Microwave II/XT/XTk mit regelbarer Brillanz
  • Samples (optional):
    • 60 MB nichtflüchtiger Sample-Speicher für Single- und Multisamples
  • Frequenzmodulation zwischen den Oszillatoren
  • Oszillatorsynchronisation
  • Ringmodulator für Oszillator 1 / 2
  • Rauschgenerator mit integriertem Filter
  • 2 unabhängige Multimode-Filter
  • Filter FM
  • Resonanz bis zur Selbstoszillation
    • Tiefpass 24 dB / 12 dB
    • Bandpass 24 dB / 12 dB
    • Hochpass 24 dB / 12 dB
    • Bandsperre 24 dB / 12 dB
    • Kammfilter mit positiver / negativer Rückkopplung
    • PPG Tiefpassfilter
  • 2 Verzerrerstufen pro Stimme mit regelbarer Verzerrung und wählbarer Verzerrerkurve:
    • Q-Verzerrerkurve
    • Harte Sättigung
    • Mittlere Sättigung
    • Weiche Sättigung
    • Sinus-Shaper
  • Modulationsmatrix mit 16 Einträgen, frei programmierbar
  • Modulationsgeschwindigkeit weit in den hörbaren Bereich
  • Modulationsquellen beinhalten alle internen Modulationsgeneratoren plus zahlreiche MIDI-Controller und -Spielhilfen
  • Modulationsziele für fast alle kontinuierlichen Klangparameter
  • mehrere vorverschaltete Modulationsziele mit wählbaren Quellen
    • Tonhöhenmodulation
    • Oszillator 1 / 2 / 3 Frequenzmodulation
    • Oszillator 1 / 2 / 3 Pulsbreitenmodulation
    • Filter 1 / 2 Cutoff-Modulation
    • Filter 1 / 2 Frequenzmodulation
    • Pan 1 / 2 Modulation
    • Lautstärkemodulation
  • 4 Modifier zur Erzeugung neuer Modulationsquellen mit unterschiedlichen Algorithmen
  • 3 schnelle LFOs
  • synchronisierbar zu MIDI-Clock
  • synchronisierbar zum Notenanfang mit wählbarer Phasenlage
  • monophoner LFO
  • Geschwindigkeit von Tonhöhe einstellbar
  • 4 schnelle Hüllkurven mit wählbaren Typen
  • polyphon / monophon pro Hüllkurve
    • ADSR
    • ADS1DS2R (2 Decay/Sustain-Phasen plus regelbarem Attack-Pegel)
    • One Shot
    • Loop S1S2 (Endlosschleife zwischen Sustain 1 und 2)
    • Loop All (Endlosschleife über alle Phasen)
  • Poly-, Mono-, Dual- oder Unisono-Modus mit einstellbarer Stimmenzahl
Ich spiele live das Waldorf "Blofeld" Keyboard und wollte dies hier nur erwähnt haben, falls sich jemand fragen sollte, weshalb ich dies mache.


Rainer Sauer, im Herbst 2011

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