Eine kleine Führung durch die Welt der Elektromusik-Klangerzeuger | Teil 3: "Deus Expander Machina"

Im dritten Teil meiner kleinen Führung durch die Welt der Elektromusik geht es um Synthesizer-Expander, also klangliche Erweiterungen. Dieser Begriff ist zunächst zutreffend, verwirrt aber dann, wenn es sich bei einem Expander "nur" um eine (oft um die Tastatur und mehr) "abgespeckte" Version eines anderen, größeren Synthesizers handelt. Doch der Reihe nach:

Geboren wurde der Synthesizerexpander einst mit dem SEM, Tom Oberheims erstem offiziellen Analog-Synthesizer (siehe Foto rechts im Original ... sowie die beiden weiteren Fotos vom Innenleben und der Original-Platine / zum Vergrößern bitte die Fotos anklicken); SEM stand hierbei als Abkürzung für "Synthesizer Expander Modul". Gedacht war der SEM als Backup-Synthesizer, der mit einem Sequenzer verbunden werden sollte, weshalb man bei ihm ganz bewusst auf eine Tastatur verzichtete. Heraus kam ein einstimmiger Analog-Synthesizer mit zwei Oszillatoren, einem Multimode Filter, ADR Tonablaufgenerator und einem LFO. Im Gegensatz zu Moog und ARP setzte Oberheim auf einen Synthesizer ohne Tastatur, der über einen Kabelcontroller mit anderen SEM-Modulen zu zwei-, vier- oder achtstimmigen Synthesizersystemen verbunden werden konnte.

Eingeführt wurde der SEM Mitte der 1970er Jahre, also zu einer zeit, als es noch keinen digitalen Synthesizer und noch keinen MIDI-Standard gab. Mit Einführung dieser beiden Komponenten in die Elektromusikwelt machten Synthesizer-Expander erst richtig sonn. Plötzlich bauten afast alle Synthesizerhersteller Expandermodule, die über jeden Synthesizer mit MIDI-Out -Möglichkeit angesteuert werden konnte. So erweiterte der jeweilige Musiker tatsächlich seine Klangmöglichkeiten und zwar die diejenigen, die ihm sein Expander zusätzlich bot.

Es soll hier ja auch um das A-U-T-O-B-A-H-N Projekt gehen und deshalb beschreibe ich nun ein wenig meine "Deus Expander Machina"-Geschichte, da an dieser Stelle allgemein zu bleiben, bei der Vielfalt von Synthesizer-Expandern, den Rahmen dieses Textes mit Sicherheit sprengen würde. Also: Mein erster Expander war ein Korg EX-800, der tastenlose Bruder des Mitte der 1980er Jahre sehr beliebten Korg Poly 800, durch den ich die Klangmöglichkeiten meines Poly 800 verdoppeln konnte. 1987 kam ein Yamaha FB-01 hinzu, die zu ihm zwar klanglich zwar reduzierte, mutitimbral jedoch aufgestockte, preiswerte Version des Yamaha DX7 Synthesizers. Kurz danach legte ich mir eine FB-01 Double Modul von Yamaha zu und einen Roland U-110 Expander. U-110 und FB-01 sind heute noch fest in meinem Soundpool enthalten und bestimmten zwischen 1987 und 2001 meine Musik ganz wesentlich.

Der FB-01 ist ein über Computersoftware leicht editierbares Klangwunder mit der ganz speziell klingenden FM-Klangsynthese ("FM" steht hierbei - wie im Hörfunk - für "Frequenz Modulation"), auf die sich z. B. das KRAFTWERK-Album "Technopop" (früher auch bekannt als "Electric Cafe") wesentlich aufbaute. Dagegen arbeitet der U-110 mit gesampleten Klangwellen, die im Syntheseverfahren zu durchaus "echt" klingenden Wellenkreationen zusammengesetzt werden - im Gegensatz zu den FM-Klängen, die der Hörer eher als "künstlich" einstuft, wie eine Untersuchung einmal feststellte.

Später kamen in meiner Klangwelt noch Proteus Expander von EMU Systems hinzu, ein TG-500 von Yamaha (= die Expanderversion des SY-85 Synthesizers; "TG" steht für "TonGenerator"), mit dem M-VL1 ein Synthesizersoundexpander von Roland (mit wunderschönen Mellotron-Sounds) und der Peavey Spectrum Organ Expander.

Alle anderen Module in meiner Klangansammlung sind - selbst wenn sie sich Expander nennen oder von mir so genannnt werden sollten - keine wirklichen Expander sondern, wie die Korg Wavestation 03W/R
oder die Clavia Nord Expander im Grunde aktive Synthesizer-Racks, also Module, die man zwar in ein 19-Zoll-Rack einbauen kann, die jedoch eine so weit eigene Klangerzeugung und -beeinflussung besitzen, dass ich sie nicht (mehr) als "reine" Expander bezeichnen möchte oder kann.

Aber - nochmal! - angefangen hat alles 1975 mit dem SEM von Oberheim, den es natürlich heute auch als "Neu-Bau" zu kaufen gibt (siehe Foto links).

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