Tone2 SAURUS Analog Synthesizer Software: "Introducing the VST-Hardline"

 
Die Softwareschmiede TONE2 ist bereits als renommierter Hersteller von qualitativ hochwertiger High-End Audio-Software bekannt. Mit ihren Software-Synthesizern und -Effekten setzt die Firma aus Stephanskirchen um Bastian van Noord und Markus F. Feil seit einigen Jahren auf hohe Qualität und neue Maßstäbe bei der Einfachkeit der Bedienung. Im April 2012 hat ein neues natives Elektromusikinstrument von TONE2 das Licht der Musikwelt erblickt: der SAURUS Analog Synthesizer. Und im Test stellt sich schnell heraus, dass es selten so einfach war, intuitiv und trotzdem kompromisslos mit einer Synthesizer Software zu arbeiten.

Der SAURUS liefert dem Nutzer einen - so gut wie gar nicht als digital erzeugt erkennbaren - analogen Sound, so wie man ihn in vergangenen Jahrzehnten kennen und schäzten gelernt hat. Ohne Frage ist es weltweit das Ziel von Entwicklern, die bestmöglichen "virtuell-analogen" Synthesizer zu entwerfen. Dabei näherte man sich mit "virtuell-analogen" Synthesizern der erstrebten Klangrealität nicht immer mit dem richtigen Konzept an, denn es ist ja gar nicht so einfach, analoge Sounds authentisch zu erzeugen.

Bastian von Noord von TONE2 sagt, er wollte bem SAURUS keinen weiteren dieser (wie er sie nennt) "Synthesizer mit Charakter" kreieren, sondern wollte einen echten Vertreter des analogen Hardware-Sounds als Software auf den Merkt bringen. Seine Bedingung: weder die CPU der Computerhardware noch das Budget des Käufers sollten hierbei über Gebühr beansprucht werden.

Mit diesem Ziel vor Augen haben die Soundtüftler von TONE2 die Schaltkreise klassischer Performance-Synthesizer (bis hin zu einzelnen Kondensatoren und Widerständen) genauestens analysiert und modelliert, um ein äußerst präzises analoges Modell zu erreichen, das Geist und Charakter dieser alten Geräte klanggetreu einfängt. Herausgekommen sind High-End-Oszillatoren mit einer "True Analog Modelling Technology". Diese produzieren einen warmen charakteristischen Sound, der sofort Erinnerungen an Hardwaregeräte der Vergangenheit aufkommen lässt. Anders wie ihre Hardware-Gegenstücke bieten diese Oszillatoren viel mehr als nur einfache Klangerzeugung: Pulsweitenmodulation, die auf alle Wellenformen angewandt werden kann, ermöglicht eine unglaubliche Fülle an Sounds, wenn diese Modulation benutzt wird, um von einem Wellentyp zu einem anderen zu modulieren. Zusammen mit Oszillator Sync, Oszillator Drift und AM & FM-Rauschmodulation kann man auf eine noch breitere Klangpalette zugreifen, indem man beispielsweise mit Drift kleinere Schaltkreisschwankungen einführt oder das analoge Chaos mittels Sync- und Rauschmodulation vervollständigt.


Der SAURUS geht sogar noch einen Schritt weiter und enthält eine große Auswahl an Wellenformen, auch solche, die exotischen Synthesizern nachempfunden sind. Bisher kannte man vielerorts allein die drei klassischen Wellenformen (Sägezahn, Rechteck, Dreieck); hier kann man nach Herzenslust probieren, mit den Ohren analysieren, selbst entscheiden, ob einem der Wechsel einer Wellenform beim Soundschneidern entgegen kommt oder nicht.

Doch kein kompletter analoger Sound entsteht ohne Filterung der Wellenformen. Natürlich sind analoge Filter nicht perfekt: Sie leiden unter Verzerrung, Rauschen, Phasenverschiebung und Selbstoszillation. Doch gerade diese vollkommene Unvollkommenheit  macht ihren speziellen Charakter aus: Moog Filter klingen speziell, ARP Filter klingen speziell, EMS Filter klingen speziell...und jeweils anders. Aus diesem Grund hat man den SAURUS mit einer Filtersektion ausgestattet, die exakt diese einzelnen Filtermodelle nachbildet: Präzise modellierte Nicht-Linearität und Selbstoszillation verleihen ihnen die gleiche Eigenständigkeit, die schon den Grundklang auszeichnet.

Was mir am SAURUS (neben dem Namen - s.i.c.) spontan am besten gefiel, war die Kombination aus Arpeggiator & Gate. Der Arpeggiator ist enorm leistungsfähig;  ich habe alle Software-Synths von ARTURIA und deren Sequencer sind vielleicht nur halb so effektiv wie die des SAURUS Arpeggiator. Und ich kenne zudem eine Menge Arpeggiatoren verschiedenster Hardware-Synthesizer und nur wenige dieser sind so einfach zu programmieren und zu handeln wie der des SAURUS.

Man merkt: hier wurde enorm viel Entwicklungsarbeit geleistet, um einen Arpeggiator zu entwickeln, der nicht nur die "Basics" beherrscht, die einst der Roland Jupiter 8 einführte, sondern das prinzipielle Konzept um Features wie Akkorde, Double-, Triple-Note und Per-Step-Velocity erweitert. Somit kann eine Arpeggio-Sequenz beim SAURUS ebenso einfach wie kompliziert sein. Kombiniert mit Modulation eröffnet sich für Musiker dadurch eine wirklich neue Welt der Kreativität.


Fazit: Wenn man sich intensiv mit dem SAURUS beschäftigt und seine Freude damit hat, vergisst man ganz den Preis zu loben, denn die 99,-- Euro, zu denen die Vollversion zum Download angeboten wird, sind im Vergleich mit anderer Synthesizer-Software auf keinen Fall als Fehlinvestition zu betrachten. Manchmal zahlt man das Anderthalbfache und bekommt doch weniger Features, Spielspaß und Sound geliefert als hier.

SAURUS, das ist analoge Power, ergänzt um viele interessante Soundfeatures und -effekte, bei niedrigen Kosten, denn man benötigt keine teure Hardware, um das Plugin betreiben zu können, selbst bei voller Ausschöpfung der Einstellungsmöglichkeiten. Oder anders ausgedrückt; Nur sehr wenige Synthesizer mit analoger Ausrichtung können von sich behaupten, einen derartig stimmigen, breiten Sound bei derart geringer Systemauslastung zu erzeugen.


Rainer Sauer, Jena (im April 2012)

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