"Rainer Sauer: Non chaque musicien est aussi un artiste" - Une interview dans le jardin d'Eden

Am 31. Mai 2014 tritt Rainer Sauer in Paris beim "festival ambient de Paris" auf. Jetzt interviewte ihn Jacob Ponchon für das Musikmagazin "L'électronique". Der Untertitel "interview dans le jardin d'Eden" bezieht sich auf einen Park in Jena, namens "Paradies", in dem das Interview stattfand.

Q: Wie geht es Ihnen? An was arbeiten Sie derzeit musikalisch?

RS: Außer, dass mir - wie schon seit Jahrzehnten - stets die Zeit fehlt, alles zu machen, was ich gerne machen möchte, geht es mir gut. Ich gehe meinem Beruf nach, gesundheitlich ist alles unter Kontrolle und musikalisch komponiere und spiele ich, nehme auf, editiere, mische und mache mir immer Gedanken, wie man die Dinge klanglich weiterentwickeln kann. Musik ist ja nicht nur Handwerk sondern auch lange und harte Kopfarbeit. Und nicht jeder Musiker ist auch ein Künstler. Andererseits, um es mit Igor Stravinsky zu sagen: "Komponisten reihen Melodien aneinander, das ist alles. Was andere darüber hinaus hineininterprtieren, ist reine Spekulation."
  
Was machen Sie beruflich?

Studiert habe ich Diplom-Verwaltungswirt, aber ich mache leidenschaftlich gerne Elektromusik und Radiosendungen.

Was fällt Ihnen spontan zum Begriff "Elektronikmusik" ein?

Zu viele Dinge.

Mitte der 70er, als Elektronik- und Synthesizermusik absolut angesagt war, haben Sie in Rockbands Gitarre und Keyboards gespielt. Was hat den Ausschlag gegeben, dass sie sich dann ganz der elektronischen Musik zugewandt haben?

Das war eine Zeit des Umbruchs, politisch wie kulturell. Es gab Rockmusik und Funk und Folk und Rhythm'n'Blues, aber einige Bands spielten damals auch sehr merkwürdige Musik, probierten etwas Neues aus mit Synthesizern. Kraftwerk, Tangerine Dream, Can. Ich war damals Politrocksänger in Frankfurt am Main und war nebenbei auch noch im Musikclub Schlachthof in Offenbach, der Nachbarstadt von Frankfurt, spielte in Bands, die "Empty Sky" oder "April" hießen. Die Besetzung war stets: Keyboards, Gitarre, Bass, Drums und Gesang. Das war eine schöne Zeit und gab mir das Selbstvertrauen als Künstler. Aber ich war eben schon damals mehr als ein Musiker. Ich nahm Liveauftritte im Mehrspurverfahren auf, produzierte Cassetten, hatte ein kleines Studio zuhause bei meinen Eltern, experimentierte mit Klängen. 1974 baute ich mir einen kleinen Synthesizer, weil ich das Geld nicht hatte mir einein "echten" zu kaufen. Später, mit dem Geld, das mir die Liveauftritte brachte, kaufte ich mir eine Solina-Orgel, Hohner Strings, einen ARP Synthesizer und einen ARP Sequencer, oft auf Ratenzahlung. So kam eines zum anderen und Ende 1978 wagte ich den Sprung ins kalte Wasser und machte Solo-Auftritte mit Elektromusik. Die Presse war begeistert und so ging das los.

Warum entschieden Sie sich dazu, nicht mehr in Gruppen zu spielen?

Das ist so nicht ganz richtig. Neben meinen Solosachen mit Synthesizermusik gründete sich schon Ende 1979 meine eigene Band "Velvet Universe". Da konnte ich endlich so viele eigene Ideen umsetzen, wie ich wollte. In einer klassischen Rockband-Struktur wäre das nicht gegangen. Stell dir einmal vor: Vor dir sizten ein Schlagzeuger, eine Bassist, zwei Gitarristen udn ein Sängen und ich spiele denen Aufnahmen vor, die im Bandgerät rückwärts ablaufen. Das finden die gar nicht lustig. Und wenn ich das dann auch noch über einen halb-kaputten Verstärker und ein Echogerät laufen lasse, dann ist das ganz aus. Ich hatte eben so meine seltsamen Ideen von ganz anderen musikalischen Klängen. Das war dem sehr ähnlich, was Brian Eno machte, ohne, dass ich das damals wusste oder ahnte. Ich kannte Eno als Musiker nur von seiner Zeit bei Roxy Music und von den Bowie-Alben "Low" und "Heroes", aber nicht als Klangforscher. Klangforschung hat etwas mit Freiheit, mit frei sein, zu tun. Ich sehe das heute so, dass isch im Grunde bei meinen Plänen für die Zukunft frei sein wollte.

Sie werden oft als einer der Impulsgeber der Technomusik in Deutschland genannt, obwohl Sie, soweit ich weiß, niemals Technomusik gemacht haben. Wie kommt das?

Das basiert auf meiner Zeit beim Hessischen Rundfunk von 1984 bis 1986 und stimmt wohl genau so, wie Sie es wörtlich gesagt haben. Aber das führt auch immer wieder zu diesem Mißverständnis. In meiner damaligen Radiosendung "Sounds vom Synthesizer" habe ich zwei Dinge gemacht, die mir heute als Impuls angerechnet werden. Ich hatte eine Nachwuchsförderung ins Leben gerufen und eine fortlaufende Serie im Programm, die "We are producers" hieß. Die Nachwuchsförderung brachte Talente ans Licht, darunter Bands "Camouflage" und "Okay!" und meine Serie zeigte ganz normalen Menschen - Kids, Erwachsenen, Jugendlichen - wie man zuhause mit Homerecording und Computern selbst Musik machen kann und zwar unabhängig von der Plattenindustrie. Uns erreichten immer viele Briefe und dar waren schon einige dabei von Leuten, die man nur wenige Jahre später als Techno DJs kannte und liebte. 1984 gab es im Rhein-Main-Gebiet keine Technomusikszene, fünf Jahre später schon. Richtig ist also: ich habe niemals Techno-Musik gemacht, aber ich habe damals wohl einigen Menschen Impulse gegeben. Ich denke meine Radiosendung war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Sind Sie jemals mit der damaligen Szene in Berührung gekommen? Wenn ja, wie stehen Sie zu der Musik?

Der Berührungspunkt war meine Plattenfirma Westside Records. Dort traf ich Sven Väth, Michael Münzing (Anm.: von "Snap!"), HP Baxter, die Produzenten Axel Henninger, Achim Völker, Talla2XL. Aber mit denen hatte ich wenig bis gar nichts zu tun. Meine Musik war und ist das nicht, auch wenn ich damals Bands wie "Minestry" oder "Micro Chip League" hörte. Es war aber für mich interessant, einerseits zu analysieren, was diese Leute für eine Musik machten und andererseits ab und an dabei sein zu dürfen, wenn im Studio aufgenommen wurde. Da habe ich auch einiges lernen können.

Heute arbeiten Sie auch mit dem iPhone und dem iPad. Trennen Sie sich da gerne von alten Geräten?

Für mich sind diese alten Synthesizer keine Fetische. Ich benutze sie gerne wenn sie gut sind, wenn sie meinen Ideen nützlich sind, und - jetzt kommt eine wichtige Anmerkung - wenn sie funktionieren. Aber so eine Sammlung, wie ich sie hatte und teilweise noch habe, frisst viel Platz und muss ständig gewartet werden. Einige 'Saurier' habe ich natürlich noch, von ARP, Roland oder Yamaha. Auch unser altes 12-Kanal-Bühnenmischpult von 1979 von Allen + Heath habe ich noch. Und natürlich die Syringe, dieses mystische Instrument, das einst von Bernard Szajner erfunden wurde, obwohl man es heute nur noch mit Jean-Michel Jarre in Verbindung bringt. Diese Laser-Harfe nutze ich auch noch hin und wieder bei Livegigs, denn es ist meines Wissens die einzige Art, mit Licht Musik zu steuern. Ich sage es einmal so: Wenn ich etwas abgebe und ein anderer Mensch Freude damit hat, dann ist das doch auch schön. Gerade habe ich mein MOOD Modular System nach Österreich verkauft und verschickt. Über 60 Kilo schwer. Exakt das klanglich Gleiche kann ich natürlich auch mit meinen Arturia Emulationen am Laptop machen, aber so ein echtes Modularsystem ist natürlich etwas Schönes. Für mich. Aber nicht für meine Frau. Die war froh, als das Ding eindlich weg war.

Was haben Sie für Zukunftspläne? Klaus Schulze hat gerade seinen Bühnenabschied bekannt gegeben, obnwohl er es, wie er sagte, liebte, auf Bühnen vor Publikum zu spielen. Wie lange werden Sie noch auftreten?

Meinen ersten Auftritt habe ich 1976 gemacht, feiere also bald mein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Irgendwann einmal habe ich gesagt, dass ich gerne fünfzig Jahre und jänger auftreten möchte, da bleibt noch ein wenig Zeit für die Fans übrig. Aktuell stelle ich mein Album "Leaves" zusammen, dass im November erscheinen wird. Ursprünglich sollte es am 14.10.14 erscheinen, aber in fliege Ende Oktober in die Türkei und were dort noch einige Originaltöne aufnehmen, so dass ich derzeit davon ausgehe, dass es auch genauso am 14.11.14 erscheinen könnte. Mal sehen.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Danke schön

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